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Entschädigungen für Opfer französischer Atomwaffentests

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Entschädigungen für Opfer französischer Atomwaffentests

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Zehntausende Menschen, die bei französischen Atomtests verstrahlt wurden, können künftig wesentlich leichter eine Entschädigung erhalten. Ein Gesetzentwurf der Regierung sieht vor, dass Strahlenopfer den ursächlichen Zusammenhang zwischen Atomversuch und Krankheit künftig nicht mehr nachweisen müssen.

Frankreich hat bis 1996 insgesamt 210 Kernwaffentests unternommen. Zunächst 17 in der algerischen Sahara und später 193 in Polynesien Verteidigungsminister Hervé Morin bestätigte vor der Presse, dass der Staat zunächst zehn Millionen Euro bereitstellen wolle. Zu den Betroffenen zählte der Minister das zivile und militärische Personal des Verteidigungsministeriums, das in den Testgebieten gearbeitet habe, dazu Mitarbeiter der Atom-Energie-Kommission, von zivilen Firmen – und auch die einheimische Zivilbevölkerung. Insgesamt seien rund 150.000 zivile und militärische Arbeitskräfte betroffen. Für Polynesien wird die Zahl der betroffenen Einheimischen mit 2.000 angegeben – bei der Sahara gingen die Verantwortlichen immer davon aus, dass in der Wüste keine Menschen leben würden. Grundlage für diese späte Entschädigung der letzten Überlebenden ist ein Katalog, in dem eine UN-Behörde 18 mögliche Folgekrankheiten nach Atomversuchen auflistet. Für die ersten Opfer der zunächst noch oberirdischen Kernwaffentests in der Sahara dürfte es längst zu spät sein. Jahrzehntelang haben die Normaden vergeblich Entschädigungen verlangt. Öffentlich darüber gesprochen wird in Frankreich eigentlich erst nach einer Fernsehdokumentation von 2007. Darin beklagt dieser Tuareg, dass danach die Tiere starben und auch die Menschen rätselhafte Krankheiten bekamen. Präsident Mitterrand hatte die Atom-Tests 1992 per Moratorium stoppen lassen – sein Nachfolger Chirac ließ sie ´95 wieder aufnehmen, bis ihn ein weltweiter Proteststurm nach wenigen Monaten zwang, sich endgültig ans internationale Teststoppabkommen zu halten.