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Zehn Jahre nach NATO-Bomben auf Belgrad

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Zehn Jahre nach NATO-Bomben auf Belgrad

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Zehn Jahre danach sind in Belgrad immer noch Ruinen jener Bombenangriffe zu besichtigen. Man hat sie bewußt nicht weggeräumt, so wie auch die Wunden im Bewußtsein vieler Serben nicht vernarben wollen. Sie fühlen sich nach wie vor als unschuldige Opfer einer feindlichen Übermacht.

Die Frau auf der Straße kann nach wie vor nicht verstehen, wie ein Land ein anderes bombadieren könne, weil ihn dessen Präsident nicht passe. Das sei doch krank. Der heute für die Serben in der Diaspora zuständige Minister in Belgrad, Predrag Tojic, fordert hingegen seine Landsleute auf, bei aller Erinnerung den Blick um der Kinder willen auf die Zukunft zu richten. Aber wie soll man das, wenn aus der Vergangenheit noch so viele Rechnungen offen sind? Um Kosovo entzündete sich vor zehn Jahren jene neue Art von Konflikt, bei der nicht mehr Staaten sondern Gruppen innerhalb eines Staates gegeneinander kämpfen. Ohne daß dafür seither Regeln geschaffen wurden, unter welchen Bedingungen andere Staaten in einen solchen Konflikt eingreifen. Da versichert deer serbische Präsident Boris Tadic vor dem UN-Sicherheitsrat ein weiteres Mal, nie werde Serbien die Unabhängigkeit des Kosovo anerkennen. Dieser Staat Kosovo wird ein Jahr nach seiner Gründung zwar von 56 Staaten anerkannt – ist aber ohne massive Hilfe von außen nicht lebensfähig. Statt eines friedlichen Zusammenlebens von Albanern und Serben grenzen sind beide Gruppen schärfer als zuvor voneinanderab. Die kleine serbische Minderheit im Norden will sich am liebsten Serbien anschließen. Wenn der serbische Regierungschef Konstunica 2008 in Belgrad ruft, “wir alle stammen aus dem Kosovo”, dann erinnert das nicht nur in Lautstärke und Diktion an die Rede, mit der 1989 Milosevic den Konflikt anheizte. Für diese neue Art von Konflikten hat die internationale Gemeinschaft auch zehn Jahre nach den Bomben noch keine Lösung gefunden.