Eilmeldung

Eilmeldung

Libanon begrüßt bessere Beziehungen Syrien-USA

Sie lesen gerade:

Libanon begrüßt bessere Beziehungen Syrien-USA

Schriftgrösse Aa Aa

In wenigen Tagen beginnt der arabische Gipfel in Doha und gleichzeitig hat im Libanon der Wahlkampf für die Parlamentswahlen im Juni begonnen. Im Vorfeld hat euronews hat mit dem libaneschen Ministerpräsidenten Fuad Siniora über die Beziehungen des Landes zu Europa gesprochen, aber auch über das Sondertribunal, das das Attentat auf den früheren Regierungschef Rafik Hariri untersucht.

euronews: Herr Ministerpräsident, willkommen bei euronews. In einigen Tagen beginnte der arabische Gipfel in Doha. Glauben Sie, dass der Ruf des saudischen Königs nach innerarabischer Versöhnung gehört werden wird? Fuad Siniora: Jede Aktion, die die Beziehungen unter den Araber stärkt und ihre Meinungsverschiedenheiten beiseite lässt, dient der arabischen Sache. Denn wir können uns nicht den Herausforderungen wie der palästinensischen Frage und dem israelisch-arabischen Konflikt stellen, wenn wir keine gemeinsame Position haben. Vor allen Dingen jetzt, wo wir eine “Falken-Regierung” in Israel haben. Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass die bisherige “Tauben-Regierung” zwei zerstörerische Kriege im Libanon und im Gaza-Streifen angezettelt hat. Ich frage mich, was wohl die “Falken-Regierung” in Zukunft tun wird! euronews: Wie sehen Sie die europäische Position im Hinblick auf den Libanon? Siniora: Die Europäische Union kümmert sich im gleichen Masse um die Beziehungen zum Libanon wie der Libanon sich darum kümmert, eine gute Beziehung zu Europa zu haben. Das liegt an unseren speziellen Beziehungen, die durch ein Abkommen geregelt sind. euronews: Europa und die Amerikaner öffnen sich gegenüber Syrien. Befürchten Sie nicht, dass der Libanon auf die eine oder andere Weise den Preis dafür bezahlen muss? Siniora: Wir sind der Meinung, dass diese Öffnung gegenüber Syrien wichtig ist und wir unterstützen dies. Aber gleichzeitig wollen wir, dass unsere Beziehung zu Damaskus auf gegenseitigem Respekt und Vertrauen basiert. Eine Beziehung auf gleicher Augenhöhe. Es muss einen realen Willen geben, die offenen Fragen zu regeln, die seit Jahren einer Antwort harren. Aus diesem Grund stört uns der veränderte Ton nicht, der zwischen Europa und den USA auf der einen Seite und Syrien auf der anderen Seite herrscht – ganz im Gegenteil. euronews: Die Parlamentsmehrheit – der Sie auch angehören – beschuldigt Syrien der Mitschuld am Attentat auf den früheren Ministerpräsidenten Rafik Hariri… Siniora: Solche Beschuldigungen dürfen nicht willkürlich sein. Wir müssen jetzt auf die Ergebnisse des Gerichtes warten, dass die Untersuchung führt. Dem Gericht gegenüber haben wir vollstes Vertrauen, und wir werden seinen Schlussfolgerungen und Entscheidungen zustimmen! euronews: Glauben sie, dass es dem Gericht gelingen wird, die Schuldigen zu finden? Siniora: -Es gibt zwei Hauptziele: das erste ist, dass wir die Wahrheit wissen wollen; dass wir wissen wollen, wer Premiereminister Hariri umgebracht hat. Aber das zweite Ziel ist ebenso wichtig: Indem wir mit dem Gericht zusammenarbeiten, wollen wir – und alle Libanesen – zeigen, dass in unserem Land Verbrechen nicht mehr völlig ungestraft bleiben. euronews: Einige Stimmen sagen, dass das Gericht, das das Attentat auf Hariri untersucht, instrumentalisiert wird. Was ist ihre Antwort darauf? Siniora: Es ist ein großer Fehler, das Gericht zu beschuldigen, sich instrumentalisieren zu lassen. Ich denke, dass das Gericht seine Aufgabe erfüllen wird. Die Anhörungen sind öffentlich! Keiner kann das Gericht instrumentalisieren, oder von seinem Weg abbringen! euronews: Wir sehen sie die Beziehungen zwischen dem Libanon und Syrien? Konnte die so genannte Zedern-Revolution den syrischen Einfluss im Libanon zurückdrängen? Siniora: Der Libanon ist ein arabisches Land und Syrien ist ein Bruderland. Wir legen Wert auf eine gesunde Beziehung! Der Libanon hat immer seine Souveränität unterstrichen – ohne in Frage zu stellen, dass wir ein arabisches Land sind! euronews: Bekanntlich nimmt der Iran über die Hisbollah Einfluss auf den Libanon. Wie sehen sie die Rolle Teherans in ihrem Land? Siniora: Die Beziehung der Araber zu Iran sollte eine Beziehung unter gleichen sein. Wir wollen uns nicht in die inneren Angelegenheiten des Iran einmischen, und wir wollen auch nicht, dass der Iran in unserem Land Einfluss ausübt! Wir haben eine Verantwortung, dass unsere Beziehung die von einem Staat zu einem anderen Staat ist – und nicht die von einem Staat zu einer Organisation in einem anderen Staat. Und der Iran hat dafür noch eine größere Verantwortung. Stellen sie sich einmal vor, wir würden als Staat Beziehungen zu einer Organisation im Iran aufnehmen! Ich glaube nicht, dass der Iran das akzeptieren würde! euronews: Der arabischen Gipfel in Beirut 2002 hat Israel Frieden im Tausch gegen Land angeboten. Hat dieser Vorschlag noch eine Zukunft, jetzt wo in Israel wieder Rechte und Extrem-Rechte regieren werden? Siniora: Das war ein mutiger und zivilisierter Vorschlag, um die Gewalt in der Region zu beenden! Israel hätte von dieser Idee nicht einmal träumen können! Aber bis jetzt haben in Israel weder “Tauben” noch “Falken” irgendetwas unternommen, das diesem Vorschlag entgegengekommen wäre! Es liegt an Israel dieser Friedensinitiative wieder Leben einzuhauchen! euronews: Haben die Soldaten der Vereinten Nationen den Libanon vor Israel geschützt? Und wie steht es zwischen den UN-Truppen und der Hisbollah? Siniora: Die Truppen der Vereinten Nationen sind im Libanon willkommen! Wir denken, dass sie eine entscheidende Rolle bei der Sicherung des Friedens im Libanon spielen. Gemeinsam mit der libanesischen Armee garantiert die UN-Truppe die Sicherheit südlich des Litani-Flusses. Wir beobachten natürlich alle Entwicklungen, und ich möchte noch einmal die Wichtigkeit dieser guten Zusammenarbeit zwischen libanesischer Armee und den Truppen der Vereinten Nationen unterstreichen!