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Stehen die amerikanisch-kubanischen Beziehungen vor dem Beginn einer neuen Ära?

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Stehen die amerikanisch-kubanischen Beziehungen vor dem Beginn einer neuen Ära?

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Bereits in seinem Wahlkampf hatte Obama eine Änderung in der Kuba-Politik der USA versprochen.

Symbolisch unterstrichen wurde diese Annäherung verganene Woche, als eine US-amerikanische Parlamentsdelegation in Havanna mit Staatschef Raul Castro uns seinem Bruder Fidel zusammentraf. Der Besuch der demokratischen Kongressabgeordneten sollte zu einer Verbesserung der Beziehungen beitragen, die beide Seiten für erstrebenswert halten. “Natürlich haben wir die Bürger der Vereinigten Staaten gefragt, was sie über eine Lockerung des Embargos denken – 68 Prozent sagten, dass sie normale Beziehungen zu Kuba wollen, und wir haben über das gesprochen, was das mit sich bringt”. Unter dem Präsidenten John F. Kennedy verhängten die USA 1962 eine umfassende Wirtschaftsblockade gegen Kuba. Seit diesem Datum wurde das Embargo je nach politischer Lage entweder verstärkt oder gelockert. Die Maßnahmen Obamas sind jedoch die weitest reichende Entscheidung seit mehreren Jahrzehnten. Kuba schätzt, dass das Embargo die Wirtschaft des Landes bisher 93 Millliarden Dollar gekostet hat. Es hat aber nie den von den USA angestrebten Effekt erzielt: nämlich den Sturz Castros und die Demokratisierung der Insel. Kritiker meinen sogar, dass das Embargo die Macht der Castros stärkt – denn die können sich dahinter verstecken und die Probleme der Bevölkerung rechtfertigen. Doch es gibt auch Stimmen, die gegen eine endgültige Aufhebung des Embargos sind. Sowohl auf amerikanischer Seite als auch bei ehemaligen Regimegegnern, die zumeist im Exil leben. “Das wird der kubanischen Regierung zweifellos helfen. Das wird der Diktatur Geld zuführen, die es dazu benutzen kann, um ihren Unterdrückungs-Apparat zu stärken”. Im Vergleich zu den Castros hat Obama aufgrund seines jungen Alters aber voraussichtlich den längeren Atem. Im Moment ist er stark daran interessiert, seinen süd- und mittelamerikanischen Kollegen zu schmeicheln. Diese hatten sich im Dezember mit Raul Castro getroffen und die Aufhebung des Embargos gegen Havanna gefordert. Zum nächsten Gipfel in Trindad diese Woche ist Castro auf Drängen Washingtons aber nicht eingeladen worden. Kuba ist für Obama also vorerst vor allem eine Gelegenheit zu zeigen, dass Amerika die Interessen Süd- und Mittelamerikas sehr wohl ernst nimmt und berücksichtigen will.