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Weitreichende Armut am Kap trotz jahrelangen Wirtschaftsaufschwungs

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Weitreichende Armut am Kap trotz jahrelangen Wirtschaftsaufschwungs

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Die Wirtschaft Südafrikas hat zwei Gesichter. Während einige Faktoren das Land eindeutig als entwickelte Industrienation ausweisen, deuten andere darauf hin, daß grundlegende Infrastruktur fehlt und weite Bevölkerungsteile in Armut leben.

Seit Ende der Apartheid ist eine neue südafrikanische Mittelklasse entstanden, zu 50 Prozent aus Schwarzen bestehend. Viele können davon jedoch nur träumen, und wohnen weiterhin in Townships. Ein Reiseführer erklärt: “Wenn Sie als Schwarzer das Geld haben, können sie in einem dieser Mittelklasse-Vororte leben. Wenn sie es aber nicht haben, dann sind Sie dazu verdammt, weiter in Townships zu leben.” 10 Jahre lang befand sich Südafrikas Wirtschaft konstant in einer Wachstumsphase. Erst die weltweite Wirtschaftskrise stoppte diesen Trend. Das Land ist reich an Bodenschätzen. Südafrika ist der weltweite größte Exporteur von Platin und ebenfalls eine der führenden Nationen bei der Ausfuhr von Gold und Diamanten. 43 Prozent der Bevölkerung leben jedoch in absoluter Armut und mehr als eine Million Familien bewohnen nachwievor die berüchtigten Townships. 40 Prozent der Südafrikaner sind arbeitslos, eine Zahl die sich auch dadurch erklärt, daß 18,3 Prozent der Bevölkerung an AIDS erkrankt sind. Südafrika weist weltweit die höchste Zahl an HIV-infizierten Menschen auf, dies wirkt sich unmittelbar auf die Wirtschaft aus und hat teilweise auch das Fernbleiben von ausländischen Investitionen zur Folge. Gleichzeitig leidet Südafrika aber auch an einer massiven Auswanderung hochqualifizierter Weißer, hauptsächlich nach Australien, Neuseeland und die USA. Mitverantwortlich für diesen Exodus sind auch Maßnahmen der Politik, die eigentlich auf Gleichberechtigung Schwarzer und Weißer abzielen. In der Landwirtschaft, wo noch heute 80 Prozent der Ackerböden Weißen gehören, soll bis 2014 eine Umverteilung stattfinden, die den Weißen 30 Prozent ihres Besitzes entziehen wird. Auch in Betrieben sollen bis dahin 40 Prozent der Führungspersonen Schwarze sein. Fast zwei Jahrzehnte nach dem Ende der Apartheid bemüht sich Südafrika immer noch um eine Politik des sozialen Ausgleichs, trägt dabei aber die Last historischer Ungerechtigkeiten, die auch in den kommenden Jahren nur schwer abzulindern sein wird.