Eilmeldung

Eilmeldung

"Atomkraft für alle, Atomwaffen für niemand"

Sie lesen gerade:

"Atomkraft für alle, Atomwaffen für niemand"

Schriftgrösse Aa Aa

Manoucher Mottaki ist Außenminister des Iran. Er steht dem iranischen Revolutionsführer Ali Khamenei nahe. Mottaki wird das iranische Unterhändler-Team bei der neuen 5-plus-1-Gesprächrunde koordinieren. Der versönlichere Ansatz der neuen US-Regierung unter Barack Obama gegenüber dem Iran könnte den Gesprächen über das iranische Atomprogramm neuen Auftrieb geben.

euronews: Herr Außenminister, willkommen bei Euronews. Der Iran ist zu neuen Sechsergesprächen bereit; was bieten Sie an? Mottaki: Vielen Dank im Namen Gottes, des barmherzigen und gnädigen! Der Iran wird sein Angebot vom vorigen Jahr auf den neuesten Stand bringen. Seit dem vergangenen Jahr hat es die Welt mit mehreren Entwicklungen zu tun: mit der gobalen Finanz- und Wortschaftskrise, und mit Veränderungen in einigen Regierungen und… euronews: …sie könnten die amerikanische nennen… Mottaki: … und deshalb mussten wir unser voriges Angebot überprüfen und das neue vorbereiten. euronews: Das wichtigste Thema auf der Tagesordnung ist Ihr Atomprogramm. Werden Sie etwas neues anbieten? Mottaki: Wir sind der Überzeugung, dass das Recht des Iran kein Verhandlungsgegenstand ist – das Recht der Nationen auf die Atomkraft: Alle haben dieses Recht, alle UN-Mitglieder, und dazu haben wir einen klaren Wahlspruch: Atomkraft für alle und Atomwaffen für niemand. euronews: Da es gegenwärtig Länder mit Atomwaffen gibt: Sind Sie der Auffassung, dass es das Recht der anderen Länder ist, sie sich ebenfalls zu beschaffen? Mottaki: Der Präsident eines der Länder, von denen Sie sprechen, verfügt über das größte Arsenal solcher Waffen. Glücklicherweise nimmt er offenbar eine für die USA neue Position ein, zum ersten Mal seit 1945, seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Wir sollten diesem Land helfen, weiterhin diese sehr annehmbare Position einzunehmen. euronews: Glauben Sie, dass die von Präsident Ahmadinejad gehalten Brandreden gegen Israel nützlich sind in einer Welt, in der auch der Iran versucht, zu verhandeln und offener zu sein, insbesondere – wie Sie gesagt haben – gegenüber einer neuen amerikanischen Regierung, die sich Ihrem Lande gegenüber anscheinend offener verhält als die vorige? Mottaki: Sie versuchen, eine Verbindung herzustellen zwischen diesen beiden Fragen, und das ist ganz unnötig – was heute übrigens auch verschiedene Gruppen in den USA sagen: dass es nämlich falsch ist, die amerikanischen Interessen zu verbinden mit den Interessen Israels. euronews: Aber ist die Rhetorik Ihres Präsidenten hilfreich angesichts der Verhandlungsbemühungen der neuen amerikanischen Regierung von Barack Obama im Nahen Osten?? Mottaki: Wir müssen die letzte Ursache der Krise dieser Region finden: Und das ist die Legitimität dieses Regimes in der Region, – wie es zustande kam. Das Land war nicht unbewohnt, denn die Palästinenser, Muslime, Christen und Juden lebten dort, und diese Leute in Europa waren nicht ein Volk ohne Land, sie waren Bürger europäischer Länder, verschiedener europäischer Länder, sie lebten dort. euronews: Was Sie sagen, ist doch einfach rassistisches Gerede über ein anderes Land, eine andere Bevölkerung, die in der Region lebt, Israel. Was sagen Sie dazu? Mottaki: Das ist die falsche Literatur von der Durban-II-Konferenz (lacht), aber reden Sie weiter, ich weiß schon… euronews: Nein, nein, das war eine Frage, was ist Ihre Antwort darauf? Finden Sie nicht, das Sie auch rassistisch reden? Mottaki: Gewiss nicht… euronews: Warum? Mottaki: (lacht und schweigt) euronews: Warum?? Mottaki: Wir sprechen von einem Problem, von einer Krise, die eine Realtität dieser Region ist. Niemand fand eine Lösung, und wir erklären, warum das Problem nicht gelöst werden konnte. Wir sind nicht Teil des Problems. Wir waren in unserer Region stets Teil der Lösung, so hört man aus dem Irak, aus dem Libanon, aus Afghanistan… euronews: Sie können also Ihre Mitarbeit anbieten um die Probleme im Irak und in Aghanistan zu lösen… Mottaki: Wir haben einige Verantwortung in der Region. Seit sechs oder sieben Jahren haben wir einen wichtigen Beitrag zur politischen Entwicklung im Irak geleistet, beim Aufbau verschiedener Körperschaften der Regierung des Irak: des Parlaments und so weiter. Wir unterstützen diesen Prozess. euronews: Was halten Sie von der Zuckerbrot-und-Peitsche-Politik der USA? Auf der einen Seite erklären die USA sich bereit, mit dem Iran zu verhandeln, doch zugleich erklärt Außenministerin Hillary Clinton, vorsorglich würden sehr harte Sanktionen gegen den Irak vorbereitet, wegen des Atomstreits. Mottaki: Wenn eine Politik in der Vergangenheit zu keinerlei Lösungen geführt hat, dann sollten die verschiedenen Parteien mal über eine neue Politik nachdenken – und sie auch einführen. euronews: Wäre ein Embargo für Öl aus dem Westen nicht ein Problem für den Iran? Mottaki: Im Falle eines solchen Beschlusses wird man unsere Reaktion sehen, keine Sorge! euronews: Welche Reaktion? Mottaki: Warten wir den Beschluss erst einmal ab.