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Mark Glover Humane Society International

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“Die heutige Abstimmung ist wirklich historisch! Ich war hier 1983, als der erste Teil des Verbots beschlossen wurde. Aber das war nur eine halbe Wegstrecke! Heute wiegt die Robbenjagd schwerer als damals! Für den Tierschutz und das Wohlergehen der Tiere ist das absolut historisch!”

Der Handel mit Robbenprodukten in der EU wird von 2010 an verboten. Das Europaparlament hat am Dienstag in Straßburg mit großer Mehrheit für ein entsprechendes europaweites Einfuhr- und Handelsverbot gestimmt. Nach der formalen Zustimmung der EU-Regierungen kann das Verbot im kommenden Jahr in Kraft treten. Ausnahmen sollen für die arktischen Ureinwohner gelten, die Robben nicht-kommerziell jagen. Sie sollen weiterhin Robbenprodukte auch verkaufen dürfen. Dieser Beschluss werde in Kanada in diesem Jahr etwa 250 000 Jungrobben das Leben retten, sagte Rebecca Aldworth von der kanadischen Tierschutzgesellschaft Humane Society International. In Erwartung eines Handelsverbots seien seit Beginn der Robbenjagdsaison im März erst etwa 60 000 Robben getötet worden. “Das EU-Parlament hat den letzten Sargnagel in das Geschäft der Robbenjäger gehämmert”, freute sich der Internationale Tierschutzfonds IFAW. Bis zum 15. Mai dürfen in Kanada Robben für kommerzielle Zwecke gejagt werden, wobei Tierschützer seit Jahren die grausamen Tötungsmethoden anprangern. Die Tiere werden mit einem Metallhaken über das Eis gezogen, ihnen wird häufig der Schädel eingeschlagen und zum Teil bei lebendigem Leib das Fell abgezogen. Auch in Grönland und Namibia werden Robben gejagt, insgesamt werden pro Jahr nach EU- Schätzungen etwa 900 000 Robben getötet. Kanadische Robbenfellimporte in die EU erreichen pro Jahr etwa 4,2 Millionen Euro, wobei 2006 die zwei wichtigsten Importländer Dänemark und Italien waren. Verwendet werden die Felle für die Herstellung von Pelzen, Mänteln und Mützen. Als “längst überfällig” bezeichnete die deutsche grüne Abgeordnete Heide Rühle das Verbot. In den USA, Belgien und den Niederlanden sei der Verkauf von Fell-Produkten, Ölen und Robbenfleisch längst verboten. Auch Deutschland will auf nationaler Ebene mit einem Importverbot gegen Tierquälerei vorgehen. In Deutschland schwankt nach Angaben des internationalen Tierschutzfonds IFAW der Umsatz mit Robbenprodukten zwischen 200 000 und einer Million Euro pro Jahr. Das EU-Handelsverbot für Robbenprodukte wird die Ureinwohner (Inuits) im arktischen Norden von Kanada nach Einschätzung eines Industriesprechers in Ottawa an ihrem Lebensnerv treffen. Der Geschäftsführer des Kanadischen Pelzinstitutes in Ottawa, Rob Cahill, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Dienstag nach der Entscheidung in Straßburg, dass die meisten Inuits außer dem Erlös vom Robbenfang “kaum ein anderes Einkommen haben”. Das Europaparlament in Straßburg hatte am Dienstag einem EU-weiten Handelsverbot zugestimmt, das 2010 in Kraft treten soll. Es gestattet den kanadischen Ureinwohnern zwar in einer Ausnahmeklausel, ihre Robbenfelle, das -öl und andere Produkte von den nicht-kommerziell erlegten Tieren auch künftig in Europa abzusetzen. Laut Cahill “wird das aber nicht funktionieren”.

Wenn der Markt erst einmal zerstört sei, könnten auch die Inuits ihre Produkte nicht mehr kostengerecht verkaufen. Seinen Angaben nach haben die arktischen Ureinwohner einen Anteil von etwa zehn Prozent am Export kanadischer Robbenprodukte.