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L'Aquila - einen Monat nach der Erschütterung

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L'Aquila - einen Monat nach der Erschütterung

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Noch ist alles wie erstarrt, einen Monat nach dem Erdbeben in den Abruzzen. Die historische Altstadt von L’Aquila bleibt bis auf Weiteres abgesperrt – bis die Ingenieure mit ihrem Schadensbericht für jedes einzelne beschädigte Haus durch sind. Im Rathaus wollen sie alles Mögliche tun, um die Traumatisierten aus ihrer Lethargie zu reissen – bevor sie sich als Dauerzustand festsetzt. Das Rezept: Arbeiten.

Roberto Riga, stellvertretender Bürgermeister von l’Aquila “Die EU kann viel beitragen. Wir wollen als Freihandelszone anerkannt werden und haben einen Antrag gestellt. Das Wirtschaftsleben muss unbedingt wieder in Gang kommen. Ausserdem wollen wir wieder als Förderzone des sogenannten “Ziel 1” anerkannt werden. In den vergangenen Jahren waren wir in den Abruzzen hier sehr stolz darauf, dass wir nicht länger in diese Kategorie der benachteiligten Regionen fielen.” Ein Drittel der Gebäude und Wohnhäuser sind zerstört oder schwer beschädigt. Eines nach dem anderen muss genau untersucht und begutachtet werden, bevor man die Entscheidung trifft – abreissen oder reparieren. Solange müssen 40 000 Menschen in Zelten überdauern. Zehn Kilometer ausserhalb von l’Aquila warten im Camp Cese di Preturo 170 Obdachlose, dass die Zeit vergeht. Und dass es Licht wird: Einen Monat und einen Tag lang waren sie ohne elektrischen Strom.

Ezio Alfonsetti wohnt seit dem Beben im Zelt: “Mein Vater ist 90. Den muss man im Dunkeln ins Zelt bringen. Manchmal muss er nachts raus. Dann kommt einer mit und führt ihn durch die Schwärze. So sieht unsere Wirklichkeit aus.”

Das Essen kommt vom Roten Kreuz, bis aufs Frühstück. Bevor die Erde bebte, war Venusia Alonzo Pizzabäckerin.

“Wir wurden sehr gut versorgt – mit Essen, Kleidung, Decken – da haben wir alles Nötige bekommen. Nur – es kann sehr kalt sein in l`Aquila. In der ersten Woche haben wir uns alle tagsüber einen Sonnenbrand geholt. Und nachts waren wir starr vor Kälte.”

Für die Zeltbewohner in Cese di Preturo ist dies die letzte rabenschwarze Nacht – morgen kommen die Elektriker.