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Spesenskandal: Briten wollen schnelle Wahl

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Spesenskandal: Briten wollen schnelle Wahl

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Nach dem Spesenskandal im Parlament haben viele Briten es satt: Umfragen zeigen, dass fast zwei Drittel so schnell wie möglich wählen wollen. Sie zeigen auch ungewohnt großen Zuspruch für die kleineren Parteien.

Die regierende Labourpartei ist demnach erneut auf einem Tiefststand: Gut zwanzig Prozent – die konservativen Tories würden derzeit doppelt so viel bekommen. Gewählt werden muss bis spätestens Mitte nächsten Jahres; den genauen Termin hat die Regierung in der Hand. Die jetzige Verdrossenheit über die Spesenaffäre im Unterhaus des Parlaments könnte sich aber auch schon bei der Europa- und der Kommunalwahl Anfang nächsten Monats niederschlagen. “Labour stand vorher schon nicht so gut da”, sagt eine Frau. “schön wäre es, wenn die Leute mit Augenmaß rangehen und sagen, es betrifft ja alle Parteien. Aber an der Wahlurne sieht es dann bestimmt ganz anders aus.” – “Es geht ja darum, ob Du denen vertraust, die Dich vertreten”, meint eine andere. “Und da steht es bei uns vor Ort ganz schlecht.” Im Mittelpunkt steht die Abgeordnetenpauschale für einen Zweitwohnsitz. Labour hat gerade einen weiteren Abgeordneten vorerst aus der Fraktion ausgeschlossen – er hatte Raten für eine Hypothek abgerechnet und sich erstatten lassen, die schon abbezahlt war. Gängige Praxis war offenbar auch, mal die eine Wohnung in London und dann wieder die andere Wohnung daheim im Wahlkreis als Zweitwohnsitz anzugeben. So konnten Steuergelder abwechselnd in beide Häuser oder Wohnungen fließen. Auch sonst waren Parlamentarier bei der Spesenabrechnung kreativ; auch wenn andere in Maßen oder gar nichts abrechneten. Die meisten rechtfertigen sich damit, dass sie sich nur an die Regeln gehalten hätten. Die Wähler, die oft stark unter der Krise leiden, kann das nicht besänftigen.