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Nach dem Ende des Bürgerkriegs

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Nach dem Ende des Bürgerkriegs

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In Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, scheint der Bürgerkrieg, der das Land 37 Jahre lang im Griff hatte, weit weg. Dennoch hatte ganz Sri Lanka unter den Auswirkungen des bewaffneten Konfliktes zwischen Militär und den bewaffneten Banden der sogenannten tamilischen Befreiungstiger zu leiden: Mindestens 75.000 Menschen sind in diesem Konflikt umgekommen. Vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehen ans Militär.

Kilinochchi galt bis vor kurzem als Hauptstadt des tamilischen Befreiungskampfes. Die mehrheitlich hinduistischen Tamilen stellen 15 Prozent der Gesamtbevölkerung. Die singhalesische Bevölkerungsmehrheit hängt vor allem dem Buddhismus an. Nach der Unabhängigkeit Sri Lankas 1948 setzte sie ihre Sprache als Staatsprache durch und förderte den Buddhismus. Die Tamilen, zuvor von den britischen Kolonialherren gefördert, gerieten ins Abseits. Sie leben vor allem im Norden und Osten Sri Lankas. Die LTTE – Befreiungstiger von Tamil Eelam – nahmen 1972 den bewaffneten Kampf für einen unabhängigen Tamilenstaat auf. Politische Vermittlungen passten den Befreiungstigern nicht ins Konzept, weil diese auf einen föderalen Staat abzielten. Deshalb verhinderten die radikalen Tamilen 2005 durch Wahlboykott und Drohungen die Wahl eines moderaten Staatschefs und verhalfen dadurch dem Hardliner Rajapakse an die Macht. Dieser lehnte Verhandlungen mit den Befreiungstigern ab und setzte auf eine militärische Lösung. Genau wie die Befreiungstiger, die Kindersoldaten rekrutierten, Mädchen zum Zwangsdienst einzogen und auch in der Diaspora Zwangsgelder eintrieben. In der Schlussphase des Kampfes wurde deutlich, dass beide Seite keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nehmen, so dass vielen Tamilen nur der Gang ins Exil blieb. Zahlreiche Tamilen sind in den Westen emigriert – viele aber auch nach Indien, wo es eine tamilische Minderheit gibt. Wenn Premierminister Rajapakse nach dem militärischen Sieg über die Tamilenorganisation den Tamilen nicht die Hand für eine friedliche Zukunft reicht, werden noch mehr von ihnen keine andere Chance sehen, als Sri Lanka zu verlassen.