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Wettkampf um Opel - Magna hat die Nase vorn

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Wettkampf um Opel - Magna hat die Nase vorn

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Magna führt im spannenden Dreikampf um Opel. Die Regierung in Berlin bevorzugt den kanadisch-österreichische Autozulieferer, ebenso wie offenbar auch die Opel-Mutter General Motors.

Fiat hatte Befürchtungen des Opel-Betriebsrats zurückgewiesen, 18 000 Stellen seien in Gefahr – nein, die Zahl liege bei unter 10 000. Und von da an stand die Horrorzahl im Raum. Magna argumentiert vor allem mit seinen russischen Partnern Gaz und Sberbank: Magna-International-Geschäftsführer Siegfried Wolf: “Wir brauchen, um eine vernünftige Weiterentwicklung des Unternehmens Opel zu sehen, einen neuen Markt, neue Marktmöglichkeiten. Und dahingehend ist der russische Markt zu sehen. Denn ich bin überzeugt davon, dass man in Zukunft damit gewinnen wird, wer die meisten Fahrzeuge verkauft.” Wolf sieht bei seinem Konzept „deutlich weniger als 18 000 Arbeitsplätze“ bei Opel in Gefahr. Für die Opel/Vauxhall-Werke in England und in Antwerpen wollte er allerdings nicht garantieren. Auch die Zusammenarbeit mit weiteren Partnern schloss er nicht aus, etwa dem US-Finanzinvestor Ripplewood, Bewerber Nummer drei. Aber noch ist alles in Fluss – zumal die Financial Times einen vierten, bisher unbekannten Interessenten an Opel ausgemacht hat – die Beijing Automotive Industry Holding aus China. Für diese Standorte werde man allerdings versuchen, „andere europäische Autobauer zu gewinnen“, sagte der Sprecher. Als Chef des neuen Unternehmens kann sich Wolf den bisherigen GM-Europachef, Carl-Peter Forster, vorstellen. Laut Wolf wird es zwei Jahre dauern, bis die neue Gesellschaft Geld verdient. Befragt dazu, ob Magna sich auch mit dem US-Finanzinvestor Ripplewood zusammentun würde, falls man alleine nicht zum Zuge käme, sagte Wolf: „Für uns sind keine Türen zu.“ Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) räumte dem kanadisch-österreichischen Unternehmen Magna die größten Chancen für einen Opel-Einstieg ein. Das Angebot erfülle am ehesten die Hoffnungen der Arbeitnehmer. Mehrere Medien berichten, dass Magna auch im Management von Opel und GM bevorzugt werde. Die Offerte des italienischen Autobauers Fiat ist nach Kochs Worten „weit von dem entfernt, was man sich erhofft“ habe. Dritter Bieter im Bunde ist der amerikanische Finanzinvestor Ripplewood, dem jedoch wenig Chancen eingeräumt werden, obwohl sein Konzept ein Bonbon für die US-Mutter General Motors (GM) beinhaltet: Der Finanzinvestor will sich dem Vernehmen nach zwar beteiligen, das Geschäft aber weiter in Detroit führen lassen. Die Bundesregierung hat sich bisher allerdings stets für einen industriellen Partner ausgesprochen – und Berlins Meinung spielt eine große Rolle, auch wenn die Entscheidung über den Investor in den USA getroffen wird. Ein Sprecher des Berliner Wirtschaftsministeriums betonte aber, dass sich zunächst GM für einen Investor entscheiden müsse. „Danach ist es dann an der Bundesregierung, das Konzept desjenigen, den sich GM ausgesucht hat, auf seine Zukunftsfähigkeit zu bewerten.“ Magna strebt 20-prozentige Beteiligung an Magna will für den Fall einer Opel-Übernahme alle deutschen Standorte des Autobauers erhalten. Auch die Zentrale in Rüsselsheim und die dortige Entwicklungsabteilung sollen erhalten bleiben, wie ein Magna-Sprecher betonte. Er bestätigte, der dem Bundeswirtschaftsministerium vorgelegte Plan sehe eine Beteiligung von jeweils 35 Prozent für die Opel-Mutter General Motors (GM) und die russischen Magna-Partner sowie eine 20-prozentige Beteiligung von Magna vor. Zehn Prozent würde die Opel-Belegschaft halten. Magna-International-Geschäftsführer Siegfried Wolf kündigte in Berlin an, bei der Verwirklichung der Pläne würden „deutlich weniger als 18 000 Arbeitsplätze“ bei Opel abgebaut. Wie viele es genau sein würden, lasse sich noch nicht sagen. Magna könne allerdings keine Garantie für die Opel/Vauxhall-Werke in England sowie in Antwerpen abgeben. Für diese Standorte werde man allerdings versuchen, „andere europäische Autobauer zu gewinnen“, sagte der Sprecher. Als Chef des neuen Unternehmens kann sich Wolf den bisherigen GM-Europachef, Carl-Peter Forster, vorstellen. Laut Wolf wird es zwei Jahre dauern, bis die neue Gesellschaft Geld verdient. Befragt dazu, ob Magna sich auch mit dem US-Finanzinvestor Ripplewood zusammentun würde, falls man alleine nicht zum Zuge käme, sagte Wolf: „Für uns sind keine Türen zu.“ Neben Magna bauen auch Fiat und Ripplewood bei ihren Unternehmenskonzepten auf staatliche Milliarden-Bürgschaften. Doch Berlin will Opel auch nicht zum finanziellen Fass ohne Boden machen. Ein Regierungssprecher erinnerte daran, dass die Bundesregierung bei der Bewertung der Konzepte klare Kriterien hat. Neben der Rettung möglichst vieler Arbeitsplätze und möglichst aller vier Standorte von Opel müsse auch „ein sorgsamer Umgang mit Steuermitteln“ gewährleistet sein, sagte der Sprecher. Die Opel-Belegschaft ist seit Jahren unzufrieden mit der autoritären Führung in der GM-Konzernzentrale. Daher stößt der Ripplewood-Plan, mit den alten Kapitänen auf neuen Rückenwind für den Autobauer zu hoffen, auch in den Werken auf Widerstand. Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz bezeichnete das Konzept zwar als „interessant“. Allerdings sagt er über Ripplewood: „Das sind exzellente Finanzleute, aber wir brauchen auch Leute mit Benzin im Blut.“ Dank der drei Übernahmeangebote ist das Schreckgespenst vom Aus für das Traditionsunternehmen aus Rüsselsheim erst einmal passé. Autos mit dem Blitz werden auch weiter über Europas Straßen fahren, möglicherweise vermehrt auch in Osteuropa und vor allem in Russland, wie es Magna und die Partner Gaz und Sberbank in ihrem Konzept vorsehen. Doch wirklich aufatmen können die Opelaner damit noch nicht: Mindestens 10 000 Stellen sind in Europa in Gefahr, also fast jede Fünfte. Im Falle eines Einstiegs von Fiat sieht der Opel-Betriebsrat gar 18 000 Stellen in Gefahr. Franz befürchtet, dass bei beiden Herstellern mit „Brachialgewalt Arbeitsplätze zerschlagen werden“ könnten. Hohes Risiko für deutschen Steuerzahler Zudem müssen bei Opel Überkapazitäten abgebaut und bis zu eine Milliarde Euro eingespart werden. Auch für Deutschlands Steuerzahler könnte die Opel-Rettung mit Hilfe von Staatsbürgschaften teuer werden. Wenn der Staat aufs falsche Pferd setzt und die Rüsselsheimer auch mit neuem Partner nicht zu retten sind, müssen Bund und Länder den Kopf hinhalten und für ausgefallene Kredite bürgen. Dabei bleibt nicht viel Zeit, die Konzepte zu prüfen. GM könnte schon kommende Woche in die Insolvenz gehen und das Europa-Geschäft mit in den Abgrund reißen. Seitdem am Mittwochabend drei Interessenten ihre Angebote in die Waagschale geworfen haben, wird deshalb auch in Berlin mit Hochdruck analysiert. Denn die Bundesregierung will Opel mit einem Treuhandmodell aus dem Insolvenzstrudel des Mutterkonzerns heraushalten. Dafür braucht sie die Zustimmung aus den USA. Und die ist mit einer Vorentscheidung über das Zukunftskonzept von Opel wahrscheinlicher. hei/dpa