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Nordkorea:Gerüchte über Generationswechsel

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Nordkorea:Gerüchte über Generationswechsel

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Kim Jong-il, der kommunistische Erb-Diktator Nordkoreas, beschäftigt Strategie-Analytiker und Kaffeesatz-Leser auf der ganzen Welt. Sie sind sich einig: Der Mann ist schwer krank – das Herz, Zucker, ein Schlaganfall oder eine Hirnblutung im vergangenen Sommer. “Ich bin wieder da” signalisierte er im April nach acht Monaten Rätselraten und trat triumphal vor das Parlament, sichtlich noch etwas mitgenommen. Und alle sahen hin. Denn zwei Tage zuvor hatte das bettelarme Land eine seiner Testraketen abgefeuert.

Das Regime in Nordkorea spielt schon seit Jahren mit dem Feuer. Aber was bringt das ? Selbsterhalt ? Aufmerksamkeit ? Oder ist der Schrecken in den Ländern in Reichweite am Ende der einzige Exportartikel, der sich zu Geld machen lässt ? Robert Dujarric, Leiter des Instituts für aktuelle Japan-Studien: “Vermutlich wollen sie ihre Grenzen austesten. Wie weit können wir gehen…vielleicht schätzen sie diesen Spielraum aber auch falsch ein – wobei das Nuklear-Risiko eher gering ist. Da liegt das Risiko eines konventionellen Schlagabtauschs höher, etwa mit Südkorea.” Andere Korea-Experten vermuten eine Prestige-Inszenierung des leidenschaftlichen Cineasten Kim Jong-il. 67 Jahre alt und geschwächt, könnte er seine Macht umso stärker umklammern – um dann in Machtapparat und Bevölkerung den Nachfolger seiner Wahl durchzudrücken. So wie er selbst Anfang der 90er Jahre von seinem Vater eingesetzt worden war. Kim Il-sung, der “ewige Präsident”, hatte seinen Nachfolger aber offen präsentiert. Vom vermutlichen Kim Nummer drei gibt es aber nicht mal ein Foto – Hitchcock auf koreanisch. Dennoch wollen seit Monaten die Gerüchte nicht verstummen, dass ein Gererationswechsel in Pjöng Jang in Gang ist und auf Kim Jong-un zulaufen könnte.

Bisher ist er ein Phantom. Mitte zwanzig soll er sein, Sohn Nummer drei des kranken Diktators. Auch seine Mutter, Ko Yong-hui, umgibt ein Mysterium – war sie eine Maitresse ? Oder Ehefrau Nummer zwei ? Jedenfalls soll der Kandidat – anders als sein Vater – Europa kennen. Er hat in der Schweiz studiert und spricht mehr als die Sprache der Raketen – Englisch und sogar Schweizerdeutsch.

Sein Halbbruder Kim Jong Nam jedenfalls sagte nichts Konkretes, als er vor kurzem auf die Nachfolgegerüchte angesprochen wurde. Aber auch nicht “nein”.