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Euro-Wahlmüdigkeit in der Normandie

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Euro-Wahlmüdigkeit in der Normandie

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La Croix-Avarchin ist ein ein Dörfchen in der französischen Normandie. 504 Menschen leben hier; bei den letzten Europawahlen vor fünf Jahren gab gerade einmal ein Viertel der Wahlberechtigten seine Stimme ab. In Frankreich organisiert der Bürgermeister in ländlichen Gemeinden die Wahl. Urnen und Wahlzettel stehen bereit, doch Serge Ameline glaubt kaum, diesmal mehr Menschen zur Wahl bewegen zu können: “die Leute hier finden, dass Brüssel weit weg ist ist; nicht nur geographisch… man kriegt auch nicht viel mit, was da passiert! Es gibt zu wenig Kommunikation!”

Es gibt Medien, die über über Europa berichten, doch die interessieren hier kaum jemanden. Auch die Parteien lassen das Dorf links liegen: Vor dem kleinen Rathaus stellt die Gemeinde ihnen Fläche für Plakate zur Verfügung, doch herrscht gähnende Leere auf den Stellwänden. Einzig die 18 Landwirte des Dorfes verfolgen genau, was in Brüssel entschieden wird. Europa sichert ihnen das Überleben – dennoch: sie sind zornig. Pascal Leclerc ist einer von ihnen: “Wir Bauern haben seit langem viel auf dem Herzen! Oft schweigen wir. Jetzt aber merkt man, dass da etwas heranreift!“Er zumindest werde wählen gehen, auch wenn es das seit langem nicht mehr getan habe. Die meisten anderen in der Normandie denken dieser Tage in der Dorfkneipe nicht an Europapolitik, sondern an einen Polit-Star, der der Region in wenigen Tagen – zum 65 Jubiläum der amerkanischen Landung in der Normandie – einen Besuch abstatten wird: Barack Obama.