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Schlammschlacht im französischen Wahlkampf

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Schlammschlacht im französischen Wahlkampf

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In Frankreich dümpelte der Europawahlkampf bisher so vor sich hin. Nun ist es plötzlich ‘heiß’ geworden, allerdings als Schlammschlacht – und nicht zwischen den Konkurrenten um die ersten beiden Plätze, sondern zwischen denen, die sich den dritten streitig machen. Das sind zum einen der deutsch-französische Grüne Daniel Cohen Bendit, der diesmal in Frankreich antritt, und zum anderen der Zentrist Francois Bayrou. Dieser warf Cohen-Bendit im Fernsehduell vor, gemeinsame Sache mit Präsident Nicolas Sarkozy zu machen. Der Grüne polterte zurück, warf Bayrou ein “dreckiges Spiel vor den Bürgern” vor, und schloß: “Du wirst nie Präsident! Du bist zu niederträchtig!”

Bayrou, der in drei Jahren ein zweites Mal zur Präsidentschaftswahl antreten will, zielte daraufhin tief unter die Gürtellinie und warf Cohn-Bendit indirekt vor, Kinderschänder zu ihren Taten ermutigt zu haben. Tatsächlich hatte Cohn-Bendit in den 70er-Jahren über die Sexualität von Kindern geschrieben. Doch ging es dabei nicht um das Ausnutzen von Kindern durch Erwachsene, sondern um das Entdecken ihrer eigenen Sexualität. Seither werden ihm diese Passagen im Wahlkampf immer wieder vorgeworfen. Aber ganz egal, ob der Zentrist Bayrou mit seinem diesmaligen Angriff Erfolg hat oder nicht – auf den zweiten Platz werden in Frankreich zweifellos die untereinander zerstrittenen Sozialisten kommen, die sich den Medien nun im einigen Applaus präsentierten. Und auf dem ersten Platz werden sicher die Konservativen von Präsident Nicoals Sarkozy landen. Trotz Krise und dümpelndem Wahlkampf ist es ihnen gelungen, die Gefahr einer Protestwahl so gut wie auszuschließen.