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Christen als Zünglein an der Waage im Libanon

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Christen als Zünglein an der Waage im Libanon

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Der Libanon wählt am Sonntag ein neues Parlament. Die Entscheidung könnte sehr knapp ausfallen.

Gut drei Millionen Libanesen haben die Wahl. Auf der einen Seite die pro-westliche, sunnitisch dominierte Allianz von Ministerpräsident Fouad Siniora und Saad Hariri – sein Vater Rafik Hariri wurde vor vier Jahren in die Luft gesprengt. Auf der anderen Seite das oppositionelle Bündnis mit der schiitischen Hisbollah an der Spitze. Sie steht Syrien und dem Iran nahe. Hisbollah-Sprecher Naim Kassem: “Wir von der Hisbollah hoffen nach wie vor auf die Mehrheit der Sitze. Nach dem Trend der letzten Wochen sieht es für uns nicht schlecht aus.” Der Libanon besteht aus abgegrenzten konfessionellen Gruppen – Schiiten, Sunniten, maronitische Christen und Drusen und wird nach einem komplizierten Proporzsystem regiert, das nicht mehr mit den demographischen Gegebenheiten entspricht. Danach muss etwa der Ministerpräsident Sunnit, der Parlamentssprecher Schiit und der Staatspräsident Christ sein. Während Sunniten und Schiiten meist ihr Lager wählen, dürften christliche Wähler zwischen den Koalitionen den Ausschlag geben. Saad Hariri plädiert für “weiter so”: “Wir sind gut unterwegs und dürften gewinnen. Dann bleibt der Libanon stabil und floriert – auch wenn es der Weltwirtschaft gerade nicht so blendend geht.” Allerdings lähmt Korruption die Wirtschaft – vor der Wahl gab es Berichte über Stimmenkauf-Kampagnen. Das kleine Land sitzt auf einem Schuldenberg von fast 35 Milliarden Euro. Laut UNO ist knapp ein Drittel der Bevölkerung arm. 50.000 Soldaten und Polizisten sollen dafür sorgen, dass die Wahl trotz emotional geschürter Nervosität ruhig abläuft.