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Schottisches Dorf mit eigener Windturbine

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Schottisches Dorf mit eigener Windturbine

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In Schottland wird gespart. Und mitunter höchst intelligent. Als vor drei Jahren in der Nähe eine Windfarm mit 14 Turbinen gebaut wurde, hängte sich das Dorf Fintry einfach mit einer eigenen Turbine dran. Von den Einnahmen wird der Kredit abbezahlt, der Rest geht in Ökoprojekte.

Gordon Cowtan, Direktor des Fintry Development Trust, managt das Projekt: “Das hier ist die 15. Turbine, die gehört dem Dorf Fintry. Es ist eine 2,5 Megawatt-Turbine – so wie die anderen 14 auch. Sie liefert jedes Jahr rund 7000 Megawattstunden. Die Elektrizität wird in das nationale Netz eingespeist. Im ersten Jahr haben wir für das Dorf knapp 160 000 Euro verdient. Und das deckt Kreditkosten und Unterhalt.” Die Dorfturbine von Fintry dreht sich seit Dezember 2007 auf vollen Touren. In 14 Jahren wird sie den Kredit über 2,8 Millionen Euro abgearbeitet haben. Von da an verdient das Dorf rund 450 000 Euro pro Jahr. Dieses Geld wird investiert – das Ziel: Fintry soll ein Null-CO2-Dorf werden. Fintry ist nicht am Gasnetz – die Bewohner sind beim Heizen auf Öl oder Strom angewiesen. Also flossen die ersten Einnahmen aus der Turbine in ein Energiesparprojekt – das halbe Dorf wurde durchisoliert, um den Energieverbrauch zu drosseln. Gordon Cowtan: “Wenn der Haustyp es technisch erlaubte, bekamen die Hausbesitzer eine sogenannte Kerndämmung der Wände, auch die Dächer wurden isoliert. Das war bei etwa der Hälfte der Häuser im Dorf möglich – zum Nulltarif für die Hausbesitzer.” Jim Milne zählt zu den Glücklichen, die davon profitieren. Er hat als einer von 150 Mitgliedern des Fintry Development Trust auch die Turbine mitgekauft. Der Trust schätzt, dass Haushalte wie seiner bis zu 700 Euro jährlich an Heizenergie sparen. Jim Milne: “Das ganze Dorf hat etwas davon. Gratisstrom ging nicht – da hatten offenbar die Steuerexperten etwas dagegen. Also hat man versucht, dem Dorf durch weniger Heizenergie-Verbrauch etwas zurückzugeben. Und das ist kein Einmal-Geschäft. Das geht in den kommenden Jahren so weiter. Von dieser Gemeinschaftsleistung profitieren sogar kommende Generationen.” Die Öko-Bewohner in Fintry sind auf den Geschmack gekommen – jetzt halten sie bereits Ausschau nach weiteren grünen Projekten, die ihre Turbine finanzieren könnte. Die 15. Turbine törnt alle an. Das ganze Dorf denkt jetzt nach – etwa über nachhaltige Heizenergien und ökologische Transportmittel.