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Innovationsmesse SERI - Neues für Bauern, Herzpatienten und Roboterfans

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Innovationsmesse SERI - Neues für Bauern, Herzpatienten und Roboterfans

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Es durfte geschürft werden nach dem ‘Rohstoff Geist’ auf dem fünften Europäischen Salon für Forschung und Innovation (SERI) in Paris. 20 000 Besucher suchten bei 250 Ausstellern aus 8 Ländern nach neuen Ideen für den Weg aus der Krise. Zwar lief das Ganze aus Finanzgründen auf etwas kleinerer Flamme als beim letzten Mal – doch das konnte die Begeisterung nicht schmälern für die Innovationen in den Bereichen Medizin, Umwelt, Energie, Transport und für das tägliche Leben. Im Gegenteil.

Jean Audouze, Präsident des wissenschaftlichen Beirats des Salons: “Forschung und Entwicklung sind doch Europas Rettungsring. Das haben doch inzwischen alle begriffen, auf allen Ebenen. Das ist für mich der Sinn des Salons: Die Naturwissenschaften weiterzubringen. Das ist kein Luxus, das ist pure Notwendigkeit. Beim Weg aus der Krise kommt Forschung und Entwicklung eine wichtige Rolle zu. Sie müssen Antworten geben auf sehr wichtige Fragen: Neue intelligente Produkte für Umwelt, Gesundheit und einen leichteren Alltag – nur das eröffnet auch neue Märkte.” Die nationale französische Forschungsorganisation CNRS zeigte auf ihrem Stand eine fluoreszierende Lampe, die in der Landwirtschaft dem Prinzip “viel hilft viel” – nämlich Dünger und Pestizide – ein Ende bereiten soll. Sie misst mithilfe der sogenannten Biospetroscopie, ob eine Pflanze gut im Futter ist oder nicht. Ist der Bauer da nicht sicher, wirft er gern zuviel Chemie auf seinen Acker – manchmal das Vierfache des Nötigen. Das schadet der biologischen Vielfalt enorm. Die Lampe mit dem Namen “FORCE A” kann in Echtzeit das Licht messen, das das Chlorophyll reflektiert – das ist ein Masstab für den Gesundheitszustand der Pflanze und damit den genauen Bedarf an Dünger und Pestiziden. Hält man sich daran, schont das die Umwelt. Man muss nur die Lampe an seinen Traktor hängen und spritzt nur da, wo es nötig ist. CNRS-Forscher Zoran Cerovic: “Das Messgerät ist schnell und man muss keine Pflanze dafür zerstören. Damit kann man ganze Felder kartographieren. Und der Landwirt kann seine Chemie ganz gezielt einsetzen, die Mengen an Dünger und Pestiziden an den Bedarf anpassen.” Siemens zeigt Herzen bei der Arbeit in 3 D, von innen und in Echtzeit – per Ultraschall. Bisher musste der Arzt vier bis sieben Herzschläge innehalten, bis das Herz komplett wiedergegeben war. Ganz zu schweigen vom Blick ins Innere. Darüberhinaus erkennt künstliche Intelligenz automatisch die Form des Herzens und seine anatomische Lage – vorher war das Handarbeit des untersuchenden Arztes. Nun kommen standardisierte Daten heraus, vergleichbar – egal welcher Radiologe sie ermittelt hat. Siemens-Ingenieur Fabrice Leonil: “Damit können wir uns die nachträgliche Rekonstruktion des dreidimensionalen Bildes schenken – bisher mussten wir die zweidimensionalen Ergebnisse ergänzen. Und wir können mit der neuen Technik alle Patienten untersuchen – vom Standardtypen bis hin zu den Problemfällen mit einem sehr unregelmässigen Herzrhythmus.” Schliesslich ein kleiner Roboter namens NAO. Er soll die Antwort Europas sein auf Roboter aus Korea oder Japan, zum Beispiel Asimo. Nao kann als Kumpel-Roboter beim Lernen helfen, auf ältere Menschen aufpassen und wer will, kann einfach zu Erholung mit ihm spielen. Aber Nao will kein Menschenersatz sein, im Unterschied zum asiatischen Kollegen Asimo. Und kostet deshalb auch viel weniger – rund 12 000 Euro. Der Hersteller will mit Nao die Roboterei demokratisieren – vor allem durch frei verfügbare Linux-Software anstelle der herstellergebundenen. Also können Wissenschaftler aller Richtungen Nao für sich spezialisieren. Und das kann er serienmässig: Er sieht mit zwei Kameras, hat einen Sinn für Schwerkraft, kann Stimmen erkennen und nachmachen und Arme wie Beine bis zu 25 Grad abbiegen. Vertriebsmanager Bruno Petit: “Japanische Roboter werden mit viel Mühe so weit wie möglich an die Realität angepasst. Da gibt es künstliche Haut, Haare und so weiter. Hier in Europa bleibt ein Roboter ein Roboter und soll auch gar nicht nach etwas Anderem aussehen.” Dafür hat Nao einen Sinn für Dramatik, sogar für Humor. Bevor er sich bühnenreif platt auf den Boden wirft, ruft er auf Französisch: “Ich bin so gut wie tot und begraben.” Keine Angst, alles nur Theater.