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Behandlung der Fallot-Tetralogie

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Behandlung der Fallot-Tetralogie

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Zweimal im Jahr fährt die Familie De Gennaro aus ihrer Heimatstadt Crotone ins 600 Kilometer entfernte Rom.

Sie fährt nicht zum Spaß in die Ewige Stadt, sondern um ihren ältesten Sohn Ugo Matteo behandeln zu lassen. Er hat die Fallot-Tetralogie, auch FoT genannt, eine angeborene Herzfehlbildung. Ugo Matteo de Gennaro sagt traurig: “Ich kann nicht uneingeschränkt Sport treiben. Ein bißchen kann ich schon mitmachen, wenn die anderen Fußball oder Basketball spielen. Aber sie spielen zwei Stunden, ich darf nur eine halbe Stunde.” Alle sechs Monate muß sich Ugo Matteo in einem Krankenhaus der italienischen Hauptstadt einer Spezialuntersuchung unterziehen. FoT ist eine seltene Krankheit, nur 400 von einer Million Neugeborenen sind von ihr betroffen. Ugo hatte schon eine Operation, jetzt, mit 14, müssen die Ärzte entscheiden, ob noch ein Eingriff nötig ist. Sein behandelnder Arzt Giacomo Pongiglione erklärt: “Mein Patient wies FoT-Syndrome auf. Der Ausfluß des Blutes von der rechten Hauptkammer in die Lungenarterie war eingeschränkt. Er wurde daraufhin operiert, und die Verengung wurde behoben, der Ausfluß aus der rechten Herzkammer wurde erhöht. Dabei wurde jedoch die Lungenklappe stark beschädigt, und dies führte mit der Zeit zu einem chronischen Rückfluß in die Herzkammer. Diese weitet sich dann aus und es kommt zu Fehlbildungen. Um weitere Risiken zu verhindern, müssen wir Herzchirurgen entscheiden, ob und wann wir eine neue Lungenklappe einsetzen.” Die Krankheit ist so selten und komplex, daß Herzchirurgen oft selbst nicht sicher sind, wie sie vorgehen sollen. Im Rahmen eines Pilotprojektes zur weiteren Erforschung wurden Ugo’s Daten in eine europaweite Datenbank eingefügt. So sollen seine Daten mit denen anderer Fälle verglichen werden, um daraus neue Schlüsse ziehen zu können. “Aus den Daten, die wir sammeln, geht hervor, daß ein Patient mit meinem hier große Ähnlichkeiten aufweist”, sagt Doktor Pongiglione. “Es ist Patient Nummer 57, ein Junge aus London. Sehen Sie, hier ist eine 3D-Animation seiner rechten Hauptkammer. Aus unserer Datenbank geht außerdem hervor, daß der britische Junge erfolgreich operiert worden ist. Ihm wurde eine neue Lungenklappe eingesetzt, und es geht ihm jetzt besser. Wenn ich mir den Fall aus England ansehe, dann kann ich mir meiner Sache sicherer sein, nach dem Motto: wenn es dort funktioniert hat, dann wird es hier auch funktionieren.” Die Datenbank, mit der Doktor Pongiglione arbeitet, ist Teil eines gesamteuropäischen Projektes, das helfen soll, Herzkrankheiten besser zu behandeln, aber auch andere Krankheiten, wie Rheuma oder Gehirntumor. Ortswechsel: von Italien aus fuhr das Futuris-Team nach Großbritannien, zum Great Ormond Kinder- krankenhaus in London. Hier, im Zentrum für kardiales Magnetresonanzimaging, werden die Herzen Dutzender Patienten, die FoT-Symptome aufweisen, gescannt. Auch ihre Ergebnisse werden in die Datenbank eingefügt. Andrew Taylor, ein Mitarbeiter des Zentrums, erklärt: “Aus den Bildern erkennen wir welche Form ein Herz hat, und wie groß es ist. Ebenso aber auch wie gut ein Herz pumpt, wieviel Blut aus dem Herz strömt. Und dann werten wir diese Informationen aus, hören uns die Geschichte eines jeden Patienten an, um zu entscheiden, wie wir behandeln sollen.” Die Graphiken können helfen, um zu entscheiden ob ein Patient im klassischen Sinne operiert werden oder ob eine neue Lungenklappe transplantiert werden muß. Doch noch können diese nicht alle Informationen geben, wie Andrew Taylor sagt: “Viel Information kommt noch vom Patienten selbst. Wenn wir jedoch eines Tages an einen Punkt gelangen, an dem wir alle Informationen durch den Scanner bekommen, dann sind wir einen bedeutenden Schritt weiter. Sie können jemanden in einen MRI-Scanner legen, eine Stunde lang, die Person schaut dann ihre Lieblings-DVD, und wir besorgen uns in der Zwischenzeit alle Informationen, die wir brauchen. Und daraus erkennen wir, wie und wann wir behandeln müssen.” Es ist ein komplexes wissenschaftliches Netzwerk mit einem Ziel: Ugo und andere Kinderpatienten sollen ein besseres Leben haben und so gut wie es geht das tun können, was sie wollen. Auch Ugo Matteo in Italien träumt von einem beschwerdefreieren Leben, und er klingt mutig, wenn er sagt: “Wenn ich Basketball spiele, dann sagen meine Freunde immer ich bin ein guter Freiwurfschütze, im Fußball hab ich einen Ruf als guter Verteidiger.” Website : www.health-e-child.org