Eilmeldung

Eilmeldung

Opposition für Neuwahl, Chamanei für Nachzählung

Sie lesen gerade:

Opposition für Neuwahl, Chamanei für Nachzählung

Schriftgrösse Aa Aa

Die Anhänger von Mir Hussein Mussawi, dem unterlegenen Präsidentschaftsbewerber, wollen im Iran weiter für eine Wiederholung der Wahl kämpfen. Auch gestern hatten sie wieder zu Zehntausenden friedlich demonstriert – trotz Warnungen Mussawis, der um das Leben seiner Anhänger fürchtete. Am Montag waren mindestens sieben Menschen bei Protesten getötet worden.

Die Oppositionsanhänger zogen zum staatlichen Fernsehen, für sie ein Sprachrohr des Präsidenten. Aber auch die Anhänger Mahmud Ahmadinedschads gingen auf die Straße. Auf Journalisten wächst der Druck. Medien durften über ungenehmigte Demonstrationen nicht berichten. Ausländische Korrespondenten mussten im Hotel bleiben. Das Staatsfernsehen verbreitete, Anführer der Opposition seien mit Sprengstoff und Waffen verhaftet worden. Das Mobilfunknetz war erneut gestört. Mussawi und die beiden anderen unterlegenen Kandidaten forderten vom Wächterrat, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Anerkannte Vertrauenspersonen sollten Verstößen vor und bei der Wahl nachgehen, so ein Vertreter Mussawis nach einem Treffen mit dem mächtigen, zwölfköpfigen Gremium. Der oberste geistige Führer, Ajatollah Chamenei, der Ahmadinedschad unterstützt, sprach sich für eine Nachzählung in umstrittenen Wahlkreisen aus. Eine Wiederholung der Wahl schloss er aus. Wegen seiner Bedeutung für die Kommunikation der Opposition hatte der Online-Dienst Twitter Wartungsarbeiten verschoben. Dahinter soll laut amerikanischen Zeitungsangaben die US-Regierung stecken.