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Neues Akropolis öffnet - mit Phantomschmerz

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Neues Akropolis öffnet - mit Phantomschmerz

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Was sind schon zwei Jahrzehnte – verglichen mit mehr als zwei Jahrtausenden. Seit den 90er Jahren wird in Athen an einem neuen Akropolis-Museum gebastelt, um die Schätze der altgriechischen Kultur unterzubringen. Jetzt ist es fertig und wird in diesen Tagen eröffnet. Für Griechen auch ein Ort des Phantomschmerzes:

Zu Zeiten der Osmanen-Herrschaft demontierte der britische Lord Elgin vor 200 Jahren wichtige Teile der Marmordekoration. Sie ziert heute das British Museum. Der Neubau in Zahlen: 14 000 Quadratmeter für 130 Millionen Euro in Stahl und Glas – mit fast zehnmal so viel Platz für mehr als 4000 Skulpturen, Keramiken und weitere Fundstücke wie im alten Museum. MUSEUMSCHEF DIMITRIOS PANDERMALIS: “Als ersten überraschungscoup präsentieren wir all die alten Bekannten aus der Antike so, als würde man sie gerade kennenlernen. Und zum erstenmal sind alle erhaltenen Skulpturen des Parthenon zu sehen.” Erste Ideen zu einem neuen Museum reichen zurück bis in die 1970er Jahre. Den jüngsten Anlauf vor fünf Jahren konnten auch Archeologen, Anwohner und Erdbebenängste nicht aufhalten. Eine alte Ansiedlung unter dem Baugelände wurde freigelegt, schliesslich einigten sich Archäologen und Architekten auf eine – transparente – Koexistenz der alten mit dem neuen Bauwerk.

Architekt Bernard Tschumi aus der Schweiz musste einer ganzen Serie von Nebenbedingungen gerecht werden – den Ruinen im Untergrund, tausenden Exponaten mit erheblichem Eigenleben, der Nähe des Weltkulturerbes Akropolis, dem Einfall der Sonne und dem Blick bis hinunter zum Meer.

BERNARD TSCHUMI: “Diese vielen Rahmenbedingungen sind sehr ungewöhnlich bei einem Museumsbau. Unsere Aufgabe als Architekten ist, das alles in ein neues, originelles Konzept zu giessen. So nahm dieses Museum Gestalt an.” Dieser Neubau sei endlich die passende Umgebung für die Teile des antiken Parthenon-Frieses, die das British Museum im Jahr 1816 gekauft hat und seither nicht herausrücken will – finden viele Griechen. Schon vor einem Vierteljahrhundert hatte Kulturministerin Melina Mercouri dafür gekämpft – und angekündigt, sie werde zur Feier der Rückgabe auferstehen, sollte dann nicht mehr leben. KULTURMINISTER ANTONIS SAMARAS: “Wir würden unsere Familie gerne wieder vereinigen. Alle fehlenden Teile sollten zurückkommen. Es ist, als würden auf dem Familienfoto einige unserer Lieben fehlen.” Vor drei Jahren schliesslich wurde der Ton aggressiver – mit Teilerfolgen. Einige Alte Griechen fanden aus Europa und den USA nach Hause.

http://www.theacropolismuseum.gr/