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Popmusik-Pionier Joe Meek als Filmheld wiederentdeckt

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Popmusik-Pionier Joe Meek als Filmheld wiederentdeckt

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Einer britischen Popmusik-Legende wird in einem Film neues Leben eingehaucht – Joe Meek taucht wieder auf im Streifen “Telstar”.

Singen konnte Meek nicht, auch kein Instrument. Aber er war ein genialer Technik-Bastler und Ideenproduzent. Er gilt als Erfinder der modernen Studio- und Aufnahmetechnik. Erst einmal erfand er seinen Beruf – Musikproduzent, dann die Gruppe “The Tornadoes” und schliesslich Anfang der 60er Jahre deren weltweiten Hit “Telstar”, gewidmet einem amerikanischen Satelliten. Trotzdem war Meeks Leben keine Erfolgsgeschichte. Immer wieder stiess er auf Ablehnung – auch wegen seiner Ticks. Beispiel Jenseits-Tick: Ernsthaft versuchte er, auf dem Friedhof Stimmen aufzunehmen. Regisseur Nick Moran: “Mir war Joe Meek überhaupt kein Begriff, bis ich einies Tages angetrunken hinten im Taxi sass als einer auf eine Plakette zeigte. Da stand: “Hier lebte, starb und arbeitete Joe Meek “. Der sagte mir auch ganz kurz, wer das war. Zu der Zeit war ich gerade ein unterbeschäftigter Schauspieler auf der Suche nach einem Stoff. Und je mehr wir da hineintauchten – mein Koautor James Hicks und ich – desto mehr hat uns die Geschichte fasziniert.” Meek produzierte alles auf den drei Stockwerken seines Studios. Und wenn er einen bestimmten Sound erzeugen wollte, dann quälte und verdrehte er die aufgezeichneten Töne so lange, bis es passte. Er gilt als Pionier des sogenannten “Overdubbing” – der Zusammenstellung von Musikstücken aus mehreren Einzelspuren im Studio. Aber etwas paranoid war Joe Meek eben auch. Er war sicher, dass die Plattenfirma Decca hinter ihm herwar, um seine Ideen zu klauen und suchte deren versteckte Mikrophone. Seine – damals in Grossbritannien strafbare – Homosexualität, seine manisch-depressiven Attacken und Drogen taten ein übriges, um den Druck zu verstärken. Schauspieler Con O’Neill: “Er war kreativ. Er war schrullig. Er hatte alles, was ich als Künstler gerne hätte. Er war völlig unerschrocken in dem was er tat, ein ausserordentlicher, komplizierter, witziger, sprunghafter und rauflustiger Charakter mit vielen Facetten. Wie oft habe ich jetzt rauflustig gesagt ? Ein durch und durch rauflustiger Typ.” 1967, am achten Todestag von Buddy Holly, mit dem er im Traum kommunizierte, nahm Meek ein Gewehr, erschoss erst seine lärmgeplagte Vermieterin und dann sich selbst. Er wurde nur 37 Jahre alt.