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Asif Ali Zardari: "Die Taliban sind eine Bedrohung für die ganze Welt."

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Asif Ali Zardari: "Die Taliban sind eine Bedrohung für die ganze Welt."

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Asif Ali Zardari ist der Präsident Pakistans. Er ist auch der Witwer einer pakistanischen Gallionsfigur, Benazir Bhuttos, die 2007 bei einem Attentat ums Leben kam. Zardari geht in seinem Land gegen die radikal-islamischen Taliban vor. Sein Ziel ist es, so sagt er, in diesem explosiven Teil der Welt Stabilität und Frieden zu schaffen. Euronews sprach mit ihm in Brüssel.

euronews: “Im Westen gibt es Befürchtungen, weil Pakistan eine Nuklearmacht ist. Sind diese Befürchtungen berechtigt?” Asif Ali Zardari: “Ich glaube nicht, dass die Befürchtungen im Westen so groß sind. Journalisten wie Sie bringen dieses Thema immer wieder auf den Tisch. Die, die es wissen müssen, wissen, dass das in Pakistan alles in sicheren Händen ist.” euronews: “Also die USA und Europa machen sich keine Sorgen?” Asif Ali Zardari: “Nein. Für Journalisten sind schlechte Nachrichten etwas Gutes. Sie bringen das Thema immer wieder auf den Tisch und wollen die Aufmerksamkeit darauf richten.” euronews: “Haben Sie Angst vor einem Staatsstreich der Taliban gegen Sie?” Asif Ali Zardari: “Wenn wir nichts gegen die Taliban unternehmen, wenn wir die Augen verschließen, dann schreitet die Talibanisierung weiter voran, dann werden die Taliban ihr Einflussgebiet immer weiter vergrößern, – in Pakistan, aber auch auf der ganzen Welt. Die Taliban stellen eine sehr reelle Bedrohung dar, der wir uns bewusst sein müssen.” euronews: “Stichwort: Islamschulen, die sogenannten Madrassen in Pakistan – teilen Sie in dieser Hinsicht die Besorgnis der EU, weil dort die Ideologie der Taliban gelehrt wird?” Asif Ali Zardari: “Ja, diese Besorgnis teile ich. Ich habe dieses Thema mit der EU erörtert. Und ich habe diesbezüglich um Hilfe gebeten, denn es gibt ungefähr 20.000 Madrassen. Doch meiner Meinung nach ist dies ein neues Phänomen. Bevor der Westen mit diesem Krieg in Afghanistan anfing, gab es sie nicht. Dieser Krieg hat die Rahmenbedingungen geschaffen, damit diese Schulen rekrutieren können. Wir brauchen die Hilfe der internationalen Gemeinschaft, damit wir gegen die Madrassen vorgehen können.” euronews: “Welche Art von Hilfe?” Asif Ali Zardari: “Wir brauchen finanzielle Unterstützung, damit wir in modernen Schulen die Kinder unterrichten können. Die Madrassen geben den Eltern Geld, damit sie ihre Kinder zu ihnen schicken. Wir müssen dasselbe tun.” euronews: “Was halten Sie von der NATO-Strategie in Südostasien, in Afghanistan, in Pakistan?” Asif Ali Zardari: “Die NATO muss mehr Verantwortung zeigen. Sie muss vestehen, dass Afghanistan nicht Vietnam oder Korea ist. Sonst werden die Terroristen die NATO nach Hause verfolgen.” euronews: “Sehen Sie Indien als militärische Bedrohung?” Asif Ali Zardari: “Die Frage ist nicht, ob ich Indien als militärische Bedrohung sehe. Es ist eine Tatsache, dass Indien hochgerüstet ist. Es kommt auf die Absicht dahinter an. Ich glaube, sowohl Pakistan als auch Indien haben gute Absichten. Indien ist eine Realität, Pakistan ist eine Realität. Die Taliban sind eine Bedrohung, eine Bedrohung für die Welt, für unsere Art zu leben – eine Bedrohung, die sich schon zu lange unkontrolliert ausbreitet. Unter der Diktatur meines Vorgängers war das möglich.” euronews: “In Indien sorgen sich viele Menschen wegen Terrororganisationen, die von Pakistan aus operieren. Eine dieser Organisationen war verantwortlich für die Anschläge von Mumbai im vergangenen Herbst. Sind diese Sorgen berechtigt?” Asif Ali Zardari: “Nein. – Ich verstehe natürlich, dass Indien sich sorgt. Sie hatten ja schließlich die Anschläge. Doch dies hat nichts mit der pakistanischen Regierung zu tun. Das sind nicht-staatliche Kräfte, die zwei Supermächte fast in einen Krieg trieben.” euronews: “Aber bestimmte Organisationen – wie Laschkar-e-Taiba – wurden doch jahrelang von der pakistanischen Regierung gedeckt. Wurden so die Taliban nicht noch stärker? Solche Organisationen vertreten doch dieselbe Ideologie wie die Taliban.” Asif Ali Zardari: “Vor extremistischen Kräften, egal ob sie aus dem Christentum, dem Islam oder einer anderen Religion kommen, müssen wir uns ins Acht nehmen. Sie bedrohen nämlich die ganze Welt.” euronews: “Aber Pakistan hat doch zu bestimmten Zeiten bestimmte Gruppen geschützt, – wegen des Kaschmirkonflikts zum Beispiel.” Asif Ali Zardari: “Da gab es immer Anschuldigungen und Gegenanschuldigungen, ich möchte jetzt auf niemanden mit dem Finger zeigen.” euronews: “Aber sind sie zutreffend?” Asif Ali Zardari: “Was?” euronews: “Die Anschuldigungen.” Asif Ali Zardari: “Teilweise. Aber auf die heutige pakistanische Regierung treffen sie mit Sicherheit nicht zu. Wir unterstützen die von Ihnen erwähnte Organisation nicht und haben nicht die Absicht, dies zu tun. Diese Organisation ist mittlerweile in Pakistan verboten.”