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Kaukasischer Gewalt-Kreislauf

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Kaukasischer Gewalt-Kreislauf

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Grozny, 16. April – ganz normales Strassenleben in einer ganz normalen Stadt. Aber für Grosny der pure Luxus: Die Hauptstadt Tschetscheniens hat 10 Jahre Ausnahmezustand hinter sich. Jetzt wurde der Anti-Terror-Erlass aufgehoben – er stammte noch aus der Ära von Boris Jeltsin.

Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow sieht bereits blühende Landschaften am Horizont. “Wir bauen die Stadt neu auf und das geht schnell, dank entschlossener Investoren. Sie wollen in dieser Republik investieren, die wollen hier sein. Sie sind unsere Brüder – Moslems aus der arabischen Welt, aus Europa, dem Nahen Osten, Asien.” Aber die Gewalt ist nicht aus dem russischen Kaukasus verschwunden, sie ist jetzt nur woanders – vor allem im Nachbarland Inguschetien. Am 10. Juni starb Asa Gasgirejewa, Vize-Präsidentin des Obersten Gerichthofs, bei einem Anschlag in der Hauptstadt Nasran. Der Präsident Inguschetiens stellte diesen Angriff in Zusammenhang mit einem Prozess gegen zwölf Personen, die in dieser kleinen Republik im Jahr 2004 an einem bewaffneten Überfall beteiligt gewesen sein sollen. Vor fünf Jahren hatte in der Nacht vom 22. Juni eine Hundertschaft Freischärler das ganze Land für ein paar Stunden unter ihre Kontrolle gebracht. Bewaffnet waren sie mit Raketenwerfern und Maschinengewehren. Kommandant der Operation war der Tschetschene Schamil Bassajew – auch er ist inzwischen ums Leben gekommen. Die Freischärler töteten 48 Menschen, Zivilisten und Militärs, leerten ein Waffen-Depot und verschwanden wieder – ohne eigene Verluste. Die Republik Inguschetien, eine der ärmsten im russischen Kaukasus, kommt seit dem Krieg in Tschetschenien nicht zur Ruhe. Erst strömten Flüchtlinge ins Land – zeitweise kam ein Flüchtling auf zwei Einheimische – dann folgte eine Welle von Entführungen und Verschleppungen. Im Nordkaukasus wütet ein gnadenloser Krieg zwischen Dschihadisten, die dort ein Emirat einrichten wollen und den Truppen der Russischen Föderation. Anfang Juni fuhr der russische Präsident Dmitri Medwedew persönlich in die Republik Dagestan, um für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Wenige Tage zuvor hatte hier ein Scharfschütze den Innenminister auf einer Hochzeitsfeier mit einem Herzschuss getötet. Man werde die Gegend von terroristischem Gesindel befreien – versprach Medwedew damals – es ist noch keine drei Wochen her.