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Wettrennen ums Öl

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Wettrennen ums Öl

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Es ist das erste Mal seit der Verstaatlichung des Energiesektors im Jahre 1972 dass ausländische Firmen wieder nach Öl bohren dürfen. Seit fast vier Jahrzehnten haben die Giganten der Öl-Welt, die Niederländer, Briten, Amerikaner und Franzosen auf diesen Moment gewartet. Denn die internationalen Ressourcen werden immer knapper.

In der irakischen Bevölkerung findet das Vorhaben wenig Zustimmung. Viele empfinden die Auktion als einen Verkauf des Familien-Schmucks. “Diese Firmen kommen nicht, um dem Irak zu helfen. Die haben ihre eigene Politik im Sinn, die definitiv die irakische Souveränität beeinflussen wird,” mein ein Anwohner. Ganz zufrieden sind aber auch die internationalen Konzerne nicht. Sie müssen bei der Förderung mit staatlichen Unternehmen zusammenarbeiten. Außerdem tragen sie die Kosten zu 100 Prozent. Aber die Konzerne müssen noch ein anderes Risiko auf sich nehmen: Die Sicherheit. Ein Experte erklärt: “Die Sicherheit ist offensichtlich ein großes Thema. Diese müssen die Verantwortlichen und die Firmen für sich selbst arrangieren. Aber wenn man dies auf die Waage legt, ist der Gewinn höher als die Sicherheitsrisiken oder die Kosten, die damit verbunden sind.” Die Gewinne könnten enorm sein. Die irakischen Ölreserven gelten mit etwa 115 Milliarden Barrel als die drittgrößten der Welt. Ziel der Iraker ist die Öl-Produktion in den nächsten fünf Jahren von 2,4 Millionen Barrel pro Tag auf mehr als 4 Millionen zu erhöhen. Die Ankurbelung der Produktion soll binnen 20 Jahren 1,7 Billionen Dollar in die irakische Staatskasse spülen. Die Ölförderung war nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait 1990 zusammengebrochen. Auch der Krieg 2003 sowie die zweitweise weitverbreitete Sabotage setzten dem Land zu. Heute fehlt es vor allem an Geld, Technik und Infrastruktur. Die Entwicklung ist jedoch auch politsch brisant. Kurdische Politiker als auch die Opposition werfen der Regierung vor, die nationalen Interessen außen vor zu lassen. Doch das Geld wird dringend benötigt. Damit soll der Wiederaufbau des vom Krieg gebeutelten Landes vorangetrieben werden.