Eilmeldung

Eilmeldung

Das Spiel ist aus

Sie lesen gerade:

Das Spiel ist aus

Schriftgrösse Aa Aa

Letzte Chance für alle Vergnügungssüchtigen in Moskau: Denn an diesem Mittwoch knipst die Regierung das Licht in den Casinos und Spielhallen aus. Nur noch in vier entlegegenen Sonderzonen dürfen die Etablissements betrieben werden. Als Vorbild dient Las Vegas. Wer weiter russisch Roulette zocken möchte, muss von der Hauptstadt weit reisen. Die Casino-Ghettos befinden sich in der Region Krasnodar am Schwarzen Meer, im Altai an der Grenze zu Kasachstan, in Wladiwostock am Pazifik und in der Exklave Kaliningrad an der Ostsse.

Das Gesetz gegen das Glücksspiel hatte der damalige Präsident Wladimir Putin bereits 2006 auf den Weg gebracht. Offiziell hieß es zum Wohle der Gesundheit des Volkes. Laut Experten stehen dahinter aber politische Motive. Ein großer Teil der Moskauer Casinos wird von Georgiern betrieben. Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 entstand ein unüberschaubarer Glücksspielsumpf. Zur Hochzeit gab es in der Hauptstadt 70 Casinos und 2500 Spielhallen. Der gesellschaftliche Schaden in Russland durch die Spielsucht werde nur noch vom Alkohol-Missbrauch übertroffen, ließ Putin verlauten. Die ersten Maschinen wurden zum Missfallen der Branche bereits zerstört. Die Industrie setzte zuletzt mehr als fünf Milliarden Euro pro Jahr um. Der Regierung brachte dies über 700 Millionen Euro Steuern jährlich ein. Laut Branche werden nun viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren – bis zu 400.000 Euro sollen es sein. Dem widerspricht die Regierung. Mehr als 16 Milliarden Euro würden in die leeren Spielhöllen investiert. Dort sollen dann öffentliche Bibliotheken sowie andere Kultureinrichtungen entstehen und damit auch wieder neue Arbeitsplätze.