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Afghanistan: Schwieriger Kampf gegen den Mohnanbau

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Afghanistan: Schwieriger Kampf gegen den Mohnanbau

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13. Dezember 2007. Afghanische Soldaten erobern mit britischer und amerikanischer Hilfe die Stadt Musa Qala zurück, nach fünf Tagen heftiger Kämpfe mit den Taliban. Musa Qala liegt im Norden der Unruheprovinz Helmand, in der US- Soldaten derzeit im Rahmen einer Großoperation um die Kontrolle kämpfen. Helmand ist mit 60.000 Quadratkilometern die größte Provinz Afghanistans – und der größte Opiumproduzent des Landes. Und: Helmand ist eine der Hochburgen der Taliban, die sich unter anderem durch Drogenhandel finanzieren.

Der Mohnanbau ist einer der Grundpfeiler der afghanischen Wirtschaft. Trotz intensiver Kampagnen ist der Anbau von Schlafmohn seit dem Fall der Taliban steil gestiegen. Mehr als 103.000 Hektar Ackerland werden dazu genutzt. Letztes Jahr bezifferten die Vereinten Nationen den Wert des in Afghanistan hergestellten Rohopiums auf mehr als 518 Millionen Euro. Der Exportwert wurde auf insgesamt 2,4 Milliarden Euro geschätzt. Ein Drittel des afghanischen Bruttoinlandsprodukts wird durch den Mohnanbau erzielt. Dabei erhalten die Bauern nur etwa ein Fünftel der Einkünfte – den Löwenanteil streichen die Händler ein. Afghanistan gehört zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. In der ostafghanischen Stadt Djalalabad kam es letztes Jahr wegen der gestiegenen Weizenpreise zu Brotunruhen . Im Jahr 2008 ist das Wirtschaftswachstum auf 3,4 Prozent gefallen, die Inflation liegt bei 27 Prozent. Fast jedem zweiten Afghanen steht weniger als ein Euro pro Tag zur Verfügung, damit lebt die Hälfte der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Karge Böden, Wassermangel sowie ein extremes Klima machen es schwierig, Ersatz für den genügsamen und gleichzeitig einträglichen Schlafmohn zu finden. Der Abbau von Bodenschätzen ist schwach aufgrund der schlechten Infrastruktur und der schwierigen Sicherheitslage. In Helmand pflanzen Bauern mit ausländischer Unterstützung Pfefferschoten, Weizen und Mais an, statt Mohn. Ob sie damit wohl fortfahren, wenn die Ausländer weg sind?