Eilmeldung

Eilmeldung

Lee Myung-bak: "Südkorea ist vorbereitet."

Sie lesen gerade:

Lee Myung-bak: "Südkorea ist vorbereitet."

Schriftgrösse Aa Aa

Laut Aussage des südkoreanischen Präsidenten sind sein Volk und die Regierung auf alle Eventualitäten auf der koreanischen Halbinsel vorbereitet.
Damit reagierte Lee Myung-bak auf die jüngsten Drohgebärden und Atomtests seines Nachbarn Nordkorea.

Grund seiner Reise nach Europa waren neben dem G8 Gipfel die Feierlichkeiten zum 20jährigen Bestehen der diplomatischen Beziehung zu Polen, sowie Abschlußverhandlungen über ein Handelsabkommen zwischen Südkorea mit der EU. Seit seiner Wahl im vergangenen Jahr zum Präsidenten, gab Lee Myung-bak Euronews das erste große Interview im europäischen Fernsehen. Euronews: Nordkorea hat in den vergangenen Wochen mehrere Waffen- und Atomtests gestartet. Wie gefährlich ist Ihr Nachbar? Lee Myung-bak: Es gibt weltweit massive Sicherheitsbedenken. Zum Beispiel den internationalen Terrorismus. Wenn man auf einzelne Länder sieht, stellt Nordkorea in der Tat ein ernsthaftes Problem dar. Die größte Sorge gilt dabei den zunehmenden Atomtests. Wenn zum Beispiel nukleares Material an andere Länder weitergegeben wird, ist das eine Bedrohung für die Sicherheit der ganzen Welt. Deshalb ist Nordkorea ein ernstes Problem. Euronews: Die Waffen- und Atomtests haben Schockwellen ausgelöst, die wir bis nach Europa gespürt haben. Wie fühlt sich das in Südkorea an? – so nah dran? Lee Myung-bak: Das südkoreanische Volk und die Regierung sind auf alle eventuellen Gefahren auf der koreanischen Halbinsel vorbereitet. Das heißt, militärisch immer bereit zu sein, und die Bevölkerung darauf vorzubereiten. Seit der Staatenteilung vor 60 Jahren, leben wir in ständiger Alarmbereitschaft. Aber trotzdem führen die Menschen ein normales Leben. Unsere Wirtschaft läuft in normalen Bahnen – das finde ich alles ziemlich befriedigend. Euronews: Wie würden Sie Ihren nordkoreanischen Amtskollegen beschreiben? Lee Myung-bak: Kim Jong-il ist der Führer eines der isoliertesten Länder der Welt. Wir leben in einem Zeitalter, in dem sich viele Nationen öffnen und international zusammenarbeiten. Aber Nordkorea will anscheinend als einziges Land der Erde für sich und isoliert bleiben. Das können viele Menschen nicht verstehen. Euronews: Nach den leichten Annäherungen der vergangenen Jahre scheint Nordkorea heute isolierter denn je. Verfolgen Sie eine aggressivere Politik gegenüber Ihrem Nachbarn? Lee Myung-bak: Wir haben Nordkorea in den vergangenen 10 Jahren mit über 4,3 Milliarden Euro untersützt. Wir wollten damit die Öffnung des Landes bewirken, aber es hat nicht geklappt. Jetzt haben sie Nuklearwaffen – oder versuchen zumindest welche herzustellen. Wir ermutigen Nordkorea sich mit uns an einen Verhandlungstisch zu setzten. Natürlich halten wir uns auch diesbezüglich an die jüngste UN-Resolution. Euronews: Nordkorea scheint gerade alle zu ignorieren und macht, was es will. Was kann man jetzt tun? Lee Myung-bak: Nordkorea hat viele Probleme im eigenen Land. Das beeinflusst ihr momentanes Verhalten. Wir müssen aufmerksam sein und unsere internationalen Kooperationen ausbauen, besonders mit Ländern wie China und Russland, die bereits mit an Bord sind. Sie wollen helfen, eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu finden. Viele europäische Staaten hatten über eine lange Zeit sehr enge Beziehungen zu Nordkorea. Von daher hoffe ich, daß auch sie helfen können, dass wir eine friedliche Lösung in dem Atomstreit finden. Durch eine enge internationale Zusammenarbeit können wir Nordkorea ermutigen, wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Es wird schwer, aber es nicht unmöglich. Euronews: Sie verhandeln mit der EU über ein Freihandelsabkommen. Wie weit sind sie da fortgeschritten? Lee Myung-bak: Wir verhandeln mit der EU bereits seit geraumer Zeit und ich denke, wir sind jetzt kurz vor dem Ziel. Innerhalb der EU gibt es bei den Mitgliedstaaten unterschiedliche Positionen, die geklärt werden müssen. Wenn das geschehen ist, könnten wir im Juli oder August bereits das Ergebnis unserer Verhandlungen bekannt geben. Euronews: Gegner eines solchen Abkommens befürchten eine Flut von billigen koreanischen Autos -entschuldigung, von günstigen koreanischen Autos. Lee Myung-bak: Die Autoindustrie ist nur ein Aspekt. Es gibt viele Vorteile in verschiedenen Bereichen – was für beide Seiten nützlich ist. Auch wenn es mal für den Einen vielleicht mehr Vorteile bringt als für den Anderen, glaube ich, daß beide Seiten enorm davon profitieren würden. Und bezüglich der Autos: die koreanischen Autos sind nicht mehr die günstigen Autos wie früher. Heutzutage sind sie genauso teuer wie die europäischen, oder sogar teurer. Es kommt heute auf die Qualität drauf an – und darum werden koreanische und europäische Autos konkurrieren. Außerdem würde sich durch so ein Abkommen der koreanische Markt noch mehr für deutsche Händler öffnen. Und sie werden es leichter haben, in den asiatischen Markt vorzudringen. Zusammengefasst wird dieses Abkommen für beide Seiten nützlich sein. Euronews: Sie haben die G20 vorhin erwähnt. im Moment treffen sich die G8 Staaten. Sind diese Treffen überholt? Was bringen diese Treffen? Lee Myung-bak: Es gibt viele weltweite Herausforderungen – und ich denke, die G8-Staaten sind vielleicht nicht in der Lage, alleine allen Anforderungen und Problemen in der Welt entgegenzutreten. Deswegen haben wir die G20. Die G8-Staaten plus die Industrie-und Schwellenländer. Sie sollten durch eine Zusammenarbeit die globalen Probleme lösen. Ob ich denke, der G8-Gipfel sei überflüssig? Natürlich nicht! Ich glaube, daß die G8-Staaten eine wichtige Rolle spielen und eine große Verantwortung tragen. Aber ich denke auch, daß die G20 Staaten wichtiges dazu beitragen können, die weltweiten Probleme zu lösen. Euronews: Eine letzte Frage: Sie haben etwas sehr ungewöhnliches für einen Präsidenten getan. Sie haben ihr Privatvermögen verschenkt. Können Sie mir dazu etwas erzählen? Lee Myung-bak: Es ist unangenehm, dass Sie das erwähnen. Aber in der Tat bin ich der einzige, amtierende Präsident, der sein Privatvermögen der Allgemeinheit geschenkt hat. Ich bin in extremer Armut aufgewachsen. Mein ganzes Leben lang wurde mir von Menschen geholfen, die oft selber nicht viel hatten. Ich wurde also Präsident durch die Hilfe dieser Menschen. Jetzt empfinde ich es als Selbstverständlichkeit, etwas zurückzugeben, besonders an die Menschen, die sehr hart arbeiten, aber trotzdem nicht viel Geld haben. Ich bin sehr froh, daß ich das tun konnte.