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Der UNO Generalsekretär im Interview

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Der UNO Generalsekretär im Interview

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UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon fordert die Weltgemeinschaft auf, eine verbindliche Übereinkunft zur Klimapolitik zu finden und erinnert die Industriestaaten auf dem G-8 Gifel außerdem an ihre Verpflichtung zur Bekämpfung der Armut.

Zu diesen und anderen Themen äußert sich der Südkoreaner im Interview: euronews: Die Industrieländer sehen sich einem schwerwiegendem Dilemma gegenüber: entweder sie versuchen die Wirtschaft zu stimulieren oder die Staatsverschuldung zu kontrollieren. Was raten Sie als UN- Generalsekretär? Ban Ki-Moon: Zunächst einmal haben die entwickelten Länder die Aufgabe,die stockende Konjunktur mit koordinierten Maßnahmen gemeinsam wieder in Gang zu bekommen. Es geht darum, die Aktionen im internationalen Rahmen zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. Weiteres Ziel ist dann, die verabschiedeten Klimaziele zu erreichen und darüber die globale Armutsbekämpfung nicht aus dem Blick zu verlieren. Ich habe es als sehr ermutigend empfunden, dass die Staatschefs sich auf dem Londoner G20 Gipfel erneut zu ihrer Selbstverpflichtung zur finanziellen Unterstützung der dritten Welt bekannt haben. Bei aller Priorität, die die Lösung der Weltwirtschaftskrise geniesst, darf die globale Armut schon deshalb nicht aus dem Fokus geraten, weil sie sich infolge der Finanzkrise weiter verschärft hat. Finanzielle Unterstützung für die Entwicklungsländer ist daher ein wichtiges moralisches und politisches Gebot für Alle. euronews: Einige Länder versprechen zwar eine Menge, kommen ihren Verpflichtungen aber nicht nach. Ban Ki-Moon: Genau darauf habe ich im Vorfeld des G-8 Gipfels in L´Aquila noch einmal hingewiesen: Es gab eine Menge Innitiativen der Industriestaaten, die bislang nicht umgesetzt worden sind,- so die Übereinkunft von Glenneagles aus dem Jahr 2005. Ich habe deshalb die G-8 Staatschefs noch einmal ermahnt, diese Verbindlichkeiten,- besonders Afrika gegenüber, nicht zu vergessen. Derzeit stehen noch Finanzzusagen von rund 20 Millionen US-Dollar aus. euronews: Wie realistisch ist das Ziel eines freien Welthandels wirklich? Ban Ki-Moon: Die Umsetzung der Zielvereinbarungen der sogenannten Doha-Runde sind mehr als überfällig! Schon zum G20 Gipfel in London waren sich aber alle Teilnehmer einig, die Verhandlungen so schnell wie möglich wieder aufnehmen zu wollen. Auch der Generalsekretär der Welthandelsorganisation – WTO, Pascal Lamy, fordert dies seit Langem und setzt sich mit einigen Schlüsselländern für eine Wiederbelebung des Doha-Prozesses ein. ER hat bereits zahlreiche Staaten – wie die USA oder auch Indien – kontaktiert, um die Konsultationen wieder in Gang zu bringen. Dies alles stimmt mich bezüglich des Doha-Prozesses recht zuversichtlich. Ich gehe daher davon aus, das uns eine Wiederbelebung der Doha-Runde noch in diesem Jahr gelingen wird. euronews: Pittsburgh, September? Ban Ki-Moon: Auch in Pittsburgh, werden die Staaten im kommenden September die Möglichkeit haben, ihre Selbstverpflichtungen zum Abbau von Handelsbarrieren zu erneuern. Insofern ist dies ein wichtiger Termin. euronews: Welche Anstrengungen unternimmt die UNO, um Indien und China auf die CO2-Reduzierung einzuschwören? Ban Ki-Moon: Nun, hier bin ich mit allen Staatschefs einig: es geht hier weniger um ein Problem, das NUR die Industrieländer betrifft,- die Situation erfordert einfach globales Handeln. Hier müssen Alle an einem Strang ziehen! Die Klimaerwärmung ist ein Problem globalen Ausmaßes, sodass die Schwellenländer sich aus der Reduzierung der Treibhausgase auch nicht ausklinken dürfen. Richtig ist aber: die G-8 sollten mit gutem Beispiel voran gehen, um die ambitionierten Klimaziele bis 2020 bzw die Mindestreduzierung der Treibhausgase um 50 Prozent bis 2050 zu erreichen. Dann sollten sie den Schwellen- und Entwicklungsländern die nötige finanzielle und technische Unterstützung bereitstellen, damit auch diese die Klimaziele erreichen. Denjenigen Staaten, die diese Ziele nicht aus eigener Kraft erreichen können,- sollte von Seiten der Industrieländer gegebenenfalls geholfen werden,- ja. Es handelt sich eben um ein Problem, das die ganze Menschheit gleichermaßen betrifft. Deshalb müssen wir im Dezember in Kopenhagen auch unbedingt zu einem Abschluss kommen, der sich an den Empfehlungen der internationalen Klimaforschung orientiert. euronews: Wieviel Geduld kann sich die internationale Gemeinschaft bezüglich Nordkorea leisten? Ban Ki-Moon: Der UN-Sicherheitsrat hat die Atom- und Raketentests der Volksrepublik Nordkorea bereits in ungewöhnlich scharfen Worten verurteilt. Wir haben eine Resolution verabschiedet, die Nordkorea unmissverständlich auffordert, umfassend Auskunft über sein Atomprogramm zu leisten.Nun sind alle UN-Mitgliedstaaten in der Pflicht, sich entsprechend der verabschiedeten Resolution zu verhalten,- besonders natürlich die nordkoreanischen Behörden. euronews: Wie sieht die UNO Position bezüglich der Ereignisse in Honduras aus? Ban Ki-Moon: Ich habe klargemacht, dass die aktuellen Vorgänge in Honduras für die UNO nicht akzeptabel sind und es eine sofortige Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung geben muss. Auch muss der demokratisch gewählte Präsident Zaleya ins Land zurückkehren dürfen. Er ist vom Volk gewählt worden,- dies zu respektieren ist essentieller Grundsatz der Demokratie.