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Anklage gegen John Demjanuk erhoben

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Anklage gegen John Demjanuk erhoben

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Gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher John Demjanjuk ist Anklage erhoben worden. Das gab die Staatsanwaltschaft in München bekannt.

Der 89-Jährige Demjanjuk war im Mai nach langem Rechtsstreit aus den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Seitdem sitzt er in München in Untersuchungshaft. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht. Die Staatsanwaltschaft betont, man müsse alle Aspekte prüfen – ob Demjanjuk zum Beispiel unter Zwang handelte, oder, so sagt ihr Sprecher Anton Winkler: “Natürlich muss auch aufgeklärt werden oder mitdiskutiert werden, inwieweit er unter Umständen selbst sonst in Lebensgefahr gewesen wäre, wenn er die Befehle nicht vollzogen hätte.” Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk stand schon einmal vor Gericht, in den Achtzigern in Israel. Er wurde zum Tode verurteilt, weil er der KZ-Aufseher Iwan der Schreckliche in Treblinka gewesen sein sollte. Später gab es ernste Zweifel; das Oberste Gericht kippte das Urteil wieder. Jetzt, in Deutschland, ist Demjanjuk der Beihilfe zum Mord angeklagt, in fast 28 000 Fällen. Laut Anklage war er 1943 als Aufseher im Vernichtungslager Sobibor und dort an der Massentötung von Juden beteiligt. Hauptbeweismittel ist ein Dienstausweis der SS. Aus einem anderen Dokument geht hervor, dass Demjanjuk damals, zur fraglichen Zeit, gerade nach Sobibor versetzt worden war.