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Estemirowas Tod beschädigt Grosny's Image

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Estemirowas Tod beschädigt Grosny's Image

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Das neue und friedliche Grosny – dieses Bild geriet durch den Mord an Natalja Estemirowa ins Wanken. Dafür macht Grosny nun Russland verantwortlich – die dortigen Behörden hatten im April angekündigt, eine antiterroristische Operation zu beenden, die 1999 ins Leben gerufen worden war.

Deshalb haben am 9. Mai zum ersten Mal seit fünf Jahren tschetschenische Truppen die Parade abgehalten, um zu zeigen, dass sie die Sicherheit in der russischen Teilrepublik nach dem Rückzug der rund 20.000 rusischen Soldaten im September allein garantieren können. Das erhöht den Einfluss des tschetschenischen Präsidenten, Ramsan Kadyrow, der seit 2007 an der Macht ist. “Die tschetschenische Republik ist ein Rechtsstaat. Ja, es gibt da draußen immer noch ein paar Banditen, Dutzende, aber jeden Tag fangen wir sie, zerstören ihre Strukturen. Wir haben spezielle Institutionen, die sich mit ihnen befassen, wie das Innenministerium und die Regierung, und mit vereinten Kräften haben wir Wohlstand und Stabilität geschaffen. Den Menschen hier geht es gut”. Im Juni 2008 war Grosny noch von Baustellen übersäht, nachdem von Kadyrow ein Plan des Wiederaufbaus lanciert worden war. Polizisten und Soldaten sind seitdem überall präsent, um Attentate zu verhindern. Und tatsächlich besserte sich die Situation, wie Natalja Estemirowa selbst damals sagte. “Es gibt viel weniger Entführungen, aber das soll nicht heißen, dass es keine mehr gibt. Früher verschwanden die Leute komplett, heute kommen sie nach 2 oder 3 Tagen wieder nach Hause, brutal misshandelt. Diese Menschen wollen mit niemandem über das Geschehene sprechen. Das erzeugt eine Idee von versteckter Kriminalität, und diese ist in Tschetschenien sehr hoch”. Estemirowa war eine der wenigen, die Kadyrow offen kritisiert, so zum Beispiel, als er das Tragen des Schleirs in Schulen 2008 vorschrieb. “Ich glaube, dass das zuerst einmal zeigt, dass er eine Diktatur errichten und Teile der Bevölkerung unterdrücken will. Die Bürger schweigen dazu, sie sagen nicht, dass es falsch ist und den Traditionen widerspricht. Denn eigentlich dürfen nur Ehemann, Vater oder Bruder ihrer Frau, Tochter oder Schwester sagen: zieh einen Schleier an”. Erst im April hatte Kadyrow die Männer aufgerufen, sich eine Zweitfrau zu nehmen, was mit der moslemischen Tradition vereinbar ist. Er begründete das damit, dass es in Tschetschenien mehr Frauen als Männer gebe und auch die “untergebracht” werden müssen.