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Endspurt im Wahlkampf in Afghanistan

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Endspurt im Wahlkampf in Afghanistan

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Die letzten Wahlplakate laufen in Kabul von der Walze: Um Mitternacht endet in Afghanistan die offizielle Kampagne vor der Präsidentschaftswahl am Donnerstag. Als Favorit gilt mit rund 45 Prozent Amtsinhaber Hamid Karzai, sein aussichtsreichster Herausforderer Abdullah Abdullah liegt bei etwa 25 Prozent.

Doch Ex-Planungsminister Ramazan Bashardost könnte, auch wenn er selbst keine Aussicht auf den Sieg hat, Karzai im letzten Moment Stimmen und die nötige absolute Mehrheit kosten – und damit eine Stichwahl erforderlich machen: “Bashardost wird deshalb von einer breiten Mehrheit unterstützt, weil seine Kritik an der Regierung genau dem entspricht, was die Mehrheit der afghanischen Bürger denkt”, erklärt Politikforscher Nusrullah Stanikzay. “Zudem hat er es geschafft, seinen Wahlkampf auf pragmatische Art mitten im Volk zu machen, und er ist eine anerkannte Persönlichkeit in Afghanistan.” Bashardost könnte es als Drittplatzierter auf gut neun Prozent bringen. Sein Leitmotiv: Kampf gegen die Korruption. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist während Afghanistans jüngster mühsamer Demokratie-Versuche tiefer geworden. Im Volk grummelt es: “Die Spenden für Afghanistan sind in den Taschen einflussreicher Leute der Regierung gelandet. Wir haben nichts davon gesehen, für uns ist nichts getan worden”, spricht ein Dorfbewohner seinen Mitbürgern aus dem Herzen. Mit Anschlägen wie erst wieder am Samstag hat die Spannung zugenommen, die Taliban sabotieren die Wahl und haben zum Boykott aufgerufen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind weiter verschärft worden.