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Was bringt diese Wahl den afghanischen Frauen?

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Was bringt diese Wahl den afghanischen Frauen?

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In Afghanistan tragen Frauen immer noch ihr Gefängnis mit sich herum. Die Burka, diese Ganzkörperverhüllung, in der Frauen ihre Umwelt nur durch das Gitter vor ihrem Gesicht wahrnehmen können. Nur kurze Zeit nach dem Sturz des radikalen Taliban-Regimes im Spätherbst 2002 sah es so aus, als würde auch für Frauen eine bessere Zeit anbrechen. Unterdrückung von Frauen ist längst wieder an der Tagesordnung.

Die Rechte, die den Frauen 2002 zugesprochen wurden, existieren nur auf dem Papier. Da erfordert es schon viel Mut, als Frau gegen am Ende noch 34 Männer als Kandidatin zur Präsidentenwahl anzutreten. 2 Frauen wagen es, Shala Ata ist eine von ihnen. Sie verweist auf die Herausforderung, die es bedeutet, gegen Männer anzutreten, die auch das Geld für einen Wahlkampf haben. Sie habe keins. Dafür aber habe sie das Volk hinter sich. Die Armen, die Kinder, die junge Generation. Von den rund 17 Millionen eingetragenen Wählern sind 5 Millionen weiblich. Überwiegend sind es Frauen, die in Städten leben. Die Frauen auf dem Lande haben oftmals gar nicht die Kraft, sich gegen die vielfältigen Drohungen aufzulehnen. Die Frauenrechtlerin Wojma Jan nennt das Fehlen von Sicherheit und echter Entwicklung als ersten Grund für die neuerliche Unterdrücklung der Frauen. Sie müssten deshalb für jemanden stimmen, der das ändert. Denn die Frauen hätten immer noch die gleichen Probleme wie vor acht Jahren. Als Symbol dafür kann man das neue Familiengesetz ansehen. Frauen gingen auf die Straße, weil darin so mittelalterliche Dinge verankert wurden wie die Pflicht der Frau, den sexuellen Wünschen des Ehemannes zu gehorchen. Präsident Karsai versprach Änderungen – die dann aber minimal ausfielen. Eine Frau kann weiterhin nur mit Zustimmung des Ehemannes außerhalb des Hauses arbeiten. Trotz internationaler Unterstützung haben die afghanischen Frauen wenig erreicht. Politisch aktive Frauen wie die Parlamentsabgeordnete Shinkai Zahine Karohail müssen heute um ihr Leben fürchten, denn sie sind zur besonderen Zielscheibe des Taliban-Terrors geworden. Sie sagt: “Frauen werden in diesem Land nicht als menschliches Wesen betrachtet”, erklärt , “ihnen werden wesentliche Menschenrechte vorenthalten.” Auf die Frage nach dem kaum verbesserten frauenfeindlichen Gesetz hat die Abgeordnete eine einfache Antwort: Präsident Karsai wolle sich damit die Stimmen der zahlreichen am alten Frauenbild hängenden Männer sichern.