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Frankreichs Knäste. Eine Schande

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Frankreichs Knäste. Eine Schande

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In Frankreich sind die Gefängnisse eine Schande. Eine Schande für die Republik. So befand es Präsident Nicolas Sarkozy, so sieht es seine Justizministerin Michele Alliot-Marie. Sie besuchte ein Gefängnis im mittelfranzösischen Orleans, einen Tag nachdem sich erneut ein Häftling umgebracht hat.Laut Menschenrechtsorganisationen der 92. Fall in diesem Jahr in Frankreich, bei dreimal so vielen Versuchen. Die Ministerin sagte:

“Jeder Selbstmord ist einer zuviel. Andererseits kommt soetwas immer wieder vor. Wir müssen jedenfalls reagieren.” Die Zahl der Selbstmorde hatte letztes Jahr mit 115 Toten wieder einen traurigen Höhepunkt erreicht. In den 194 französischen Gefängnissen gibt es 51.000 Plätze. Mehr als 62.000 Menschen aber sitzen ein. Überbelegung, Unterbesetzung des Wachpersonals und katastrophale Lebensbedingungen, darin sehen Experten den Grund der vielen Selbsttötungen. Der Gutachter und Psychater Dr. Louis Albrand glaubt: “Wir brauchen mehr Psychologen vor Ort. Sie können herausfinden, wer selbstmordgefährdet ist und den Betroffenen helfen. Vergessen wir nicht. Sieben von zehn Selbstmördern waren als gefährdet eingestuft.” Im Gefängnis “Les Baumettes” in Marseille hatte sich der 37-Jährige erhängt. Die Justizministerin will nun eine Gefängnisreform, die die Haftbedingungen verbessert. Ausserdem will sie weiteren Selbstmorden mit einem Vorbeugungs- und Betreuungsprogramm begegenen.