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Taliban - die Geister die die USA einst förderten

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Taliban - die Geister die die USA einst förderten

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Taliban – das heißt eigentlich nur “Schüler”. Einer der den Koran studiert. Ihre ethnische Basis hat diese Bewegung im Volk der Paschtunen. Viele der Taliban, die mit Hilfe amerikanischer Geheimdienste in Pakistan für den Kampf gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan ausgebildet wurden, waren arme Bauernsöhne ohne weitere Bildung. Das war in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Knapp hundert Jahre zuvor – genau 1893 – zogen die Briten mit der sogenannten “Durand-Linie” eine Grenze mitten durch das Siedlungsgebiet der Paschtunen. Und zwar nachdem ihr Versuch gescheitert war, das Paschtunenland ihrer Kolonie Britisch-Indien zuzuschlagen.

Weihnachten 1979 ließ Kremlchef Leonid Breschnew seine Truppen in Afghanistan einmarschieren, das bisher noch irgendwie als Puffer zwischen Ost und West gewirkt hatte. Der Westen unterstützte jede Art von Widerstand gegen die Sowjets. Nach deren Abzug im Februar ´89 eroberten zunächst die Truppen der Stammesführer aus dem Norden die Hauptstadt. Ein blutiger Bürgerkrieg folgte. Die Taliban wurden im September ´96 als Ordnungsmacht begrüßt. Der aus Saudi-Arabien stammende Osama bin Laden war als Kämpfer gegen die sowjetische Besatzung gekommen. Später genoß er Gastfreundschaft des Taliban-Führers Mullah Omar und entwickelte von Afghanistan aus sein nunmehr gegen die “Ungläubigen” im Westen gerichtetes Terrornetzwerk. Bis nach dem Anschlag von New York die USA im Oktober 2001 zum Gegenschlag anrückten. Die westliche Allianz konnte zwar das Taliban-Regime stürzen – aber nicht der beiden Anführer habhaft werden. Die Hoffnung auf Besserung währte nicht lange. Ohne die westlichen Soldaten, die eigentlich nur den Übergang zu einer eigenständigen afghanischen Demokratie hatten absichern sollen, könnte sich die Regierung in Kabul nicht halten. Nur dank westlicher Militärs sind überhaupt Wahlen möglich. Aus dieser Not heraus hat Präsident Karsai mit – wie er meint – “moderaten Kräften” unter den Taliban zu verhandeln versucht. Und so kam der ehemalige Taliban-Führer Mullah Abdul Saalam auf die Kandidatenliste. Wieviel Kalkül seinerseits dabei ist oder wieweit er sich tatsächlich von den Scharfmachern im Talibanlager entfernt hat – wer will das wissen??? Vor westlichen Kameras sagte Mullah Abdul Saalam jedenfalls, nach seiner Meinung müsse man mit den Taliban verhandeln, ob die nun extremistisch seien oder moderat. Man müsse sich an einen Tisch setzen und hören, was sie zu sagen haben. Die anderen rund um bin Laden, die gar keine Taliban seien, die müsse man loswerden. In Afghanistan, wo Stammeszugehörigkeit immer noch die stärkste Bindung ist, kann an Einfluß gewinnen, wer es versteht, Allianzen zu schmieden.