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Deutsche Doktortitel gegen Geld

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Deutsche Doktortitel gegen Geld

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Deutsche Professoren sollen gegen Geld zu Doktortiteln verholfen haben. Gegen rund einhundert Hochschullehrer ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft. Sie sollen Doktoranden auch dann angenommen haben, wenn sie nicht die Voraussetzungen erfüllten.

Der Verdacht zieht sich durch viele Hochschulen und viele Bereiche, sagt der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld: “Es sind auch alle Fakultäten betroffen – alle klassischen, Jura, Medizin, Philosophen, aber auch technische.” Der Handel mit den Doktortiteln lief über eine Firma in Bergisch Gladbach bei Köln. Sie warb deutschlandweit damit, einen geeigneten Professor zu suchen und bei der Themenfindung zu helfen. Dafür zahlte der Kandidat bis zu zwanzigtausend Euro; bis zu viertausend Euro flossen weiter an den Dozenten. In den Reihen der Hochschullehrer wüsste man Abhilfe. Bernhard Kempen ist Präsident des Deutschen Hochschulverbands, einer Vertretung der Hochschullehrer; er sagt: “Wir haben schon vor vielen Jahren vorgeschlagen, in die Promotionsordnung der Fakultäten einen Passus aufzunehmen, nach dem die Doktorandinnen und Doktoranden verpflichtet werden, an Eides Statt zu versichern, dass sie keine fremde Hilfe beim Erstellen ihrer Doktorarbeit in Anspruch genommen haben.” Auslöser war der Fall eines Juraprofessors aus Hannover. Schon seit 2004 wurde nach Beschwerden von Studenten gegen ihn ermittelt. 2007 wurde er angeklagt und verhaftet, letztes Jahr dann zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Ermittlung richtete sich in der Folge gegen die Bergisch-Gladbacher Firma; auch deren Chef kam für dreieinhalb Jahre hinter Gitter.