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Lockerbie-Attentäter frei - schottische Regierung unter Beschuss

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Lockerbie-Attentäter frei - schottische Regierung unter Beschuss

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Die harsche internationale Kritik an der Begnadigung des verurteilten Lockerbie-Attentäters Abdel Basset Al-Megrahi bringt die schottische Regierung in Erklärungsnöte. Das Parlament kommt zu einer Dringlichkeits-Sitzung zusammen, der Justizminister will eine Erklärung abgeben.
 
Beim Bombenanschlag auf ein PanAm-Flugzeug, das 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte, waren 270 Menschen getötet worden – 189 davon Amerikaner.
 
Die schottische Regionalregierung hatte am Donnerstag entschieden, den Ex-Geheimagenten vorzeitig freizulassen.
 
US-Regierung und Angehörige der Anschlagsopfer haben die Begnadigung heftig kritisiert.
 
Das Außenministerium in Washington warnte die libysche Regierung vor einer “Heldenfeier”. Es gab Boykott-Aufrufe, US-Touristen strichen ihre Schottland-Reisen.
 
Für die Freilassung hatte der schottische Justizminister Kenny MacAskill humanitäre Gründe genannt: Der 57-Jährige habe Prostatakrebs und nach Diagnose der Ärzte nur noch wenige Monate zu leben.
 
Der Chef der US-Bundespolizei FBI, Robert Mueller, schrieb ihm darauf einen geharnischten Brief:  Das sei eine Verhöhnung der Justiz und ermutige Terroristen in aller Welt. Der Brief Muellers geht auch den Hinterbliebenen der Attentatsopfer zu.
 
 
In Lybien war der Freigelassene triumphal empfangen worden – der Sohn des Staatschefs Muammar al-Gaddafi holte ihn am Flughafen ab, Gaddafi senior empfing ihn an seinem Wohnsitz.
 
Überschwänglich dankte der libysche Staatschef   Premierminister Gordon Brown, Königin Elizabeth II. und deren Sohn Andrew dafür, die schottische Regierung dazu ermutigt zu haben, “trotz aller Hindernisse diese historische und mutige Entscheidung zu treffen”.
 
Gaddafi stellte Großbritannien engere Beziehungen in Aussicht, sein Sohn hatte bei Empfang Handels-, Öl- und Gasabkommen erwähnt.
 
Das heizte haben Spekulationen über mögliche wirtschaftliche Hintergründe der Freilassung weiter an.
 
Die britische Opposition fordert eine Untersuchung. Der außenpolitische Sprecher der britischen Konservativen, David Lidington, sagte, es müsse zweifelsfrei geklärt werden, dass Al-Megrahis Freilassung nicht doch ein politischer Kuhhandel gewesen sei. Es gehe um das Ansehen der britischen Justiz.