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Schottlands Justizminister verteidigt Freilassung des Lockerbie-Attentäters

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Schottlands Justizminister verteidigt Freilassung des Lockerbie-Attentäters

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Der schottische Justizminister Kenny MacAskill hat seine Entscheidung verteidigt, den krebskranken Lockerbie-Attentäter Abdel Basset Al-Megrahi aus humanitären Gründen vorzeitig freizulassen.

Er wies Vermutungen zurück, bei der Begnadigung hätten auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle gespielt – er habe darüber ganz persönlich nach den rechtlichen Vorgaben Schottlands entschieden. Die Pflege des Kranken in einer schottischen Einrichtung sei nicht möglich gewesen. MacAskill hatte den zu lebenslanger Haft Verurteilten am Donnerstag begnadigt und damit vor allem in den USA Empörung ausgelöst. “Ich bedauere das sehr, dass Herr Al Megrahi in derart unpassender Weise empfangen wurde,” sagte MacAskill vor dem schottischen Parlament, “da fehlte jedes Mitgefühl, jede Sensibilität gegenüber den Familien der 270 Opfer von Lockerbie. Die libysche Regierung hatte uns zugesichert, dass die Heimkehr ohne Pomp und rücksichtsvoll ablaufen würde.” Beim Bombenanschlag auf ein PanAm-Flugzeug, das 1988 über der schottischen Ortschaft Lockerbie abstürzte, waren 270 Menschen getötet worden -gut 2/3 davon Amerikaner. In den USA kursieren Boykott-Aufrufe gegen schottische Produkte, US-Touristen strichen ihre Schottland-Reisen. Tavish Scott, Chef der Schottischen Liberal-Demokraten: “Der Ministerpräsident und seine Regierung haben Schottland gespalten und einen Keil getrieben zwischen uns und viele Freunde im Ausland. Und nächste Woche kann Oberst Gaddafi Al-Megrahi bei seinen 40-Jahr-Feiern zur Schau stellen.” Al-Megrahi war in Libyen triumphal empfangen worden – der Sohn des Staatschefs Muammar al-Gaddafi holte ihn am Flughafen ab, Gaddafi senior empfing ihn an seinem Wohnsitz. Gaddafi stellte Großbritannien engere Beziehungen in Aussicht, sein Sohn hatte bei Empfang Handels-, Öl- und Gasabkommen erwähnt. Al-Megrahi war nach schottischen Recht zu lebenslanger Haft verurteilt worden und hatte acht Jahre abgesessen. Nach einem Bericht der “Times” muss der schottische Regierungschef Alex Salmond mit einem Misstrauensvotum rechnen.