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Moby: Umweltschutz braucht viele Helfer

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Moby: Umweltschutz braucht viele Helfer

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Die EU macht jetzt Musik für den Klimaschutz: Mit der Kampagne “Play to stop” versucht die Europäische Kommission zusammen mit MTV, junge Leute zwischen 15 und 34 für das Thema zu interessieren. Highlight sind drei Gratiskonzerte in Stockholm, Budapest und zur Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen. Für das Stockholmer Konzert holten die Veranstalter den amerikanischen Musiker und Umweltaktivisten Moby auf die Bühne.

euronews: “Moby, warum haben Sie sich entschieden, an dieser Kampagne “Play to stop” mitzuwirken?” Moby: “Ich bin schon ziemlich lange ein Umweltaktivist. Ich bin bei Hippies großgeworden, die ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein hatten. Ich engagiere mich für eine Menge Dinge. Aber das Thema, das mir am wichtigsten ist, ist der Klimawandel. Denn das ist das einzige, das sich potenziell sehr drastisch auf das Leben jedes Einzelnen auf diesem Planeten auswirken wird. Ich will nicht übermäßig melodramatisch sein, aber der Klimawandel hat auch das Potenzial, den Lauf der Geschichte der Menschheit zu ändern, möglicherweise auf sehr negative Weise, möglicherweise aber auch auf positive Weise.” euronews: “Tun die Regierungen genug im Kampf gegen den Klimawandel?” Moby: “Ich hasse es, das zu sagen… aber ich denke nicht, dass die Regierungen im Moment überhaupt etwas zum Kampf gegen den Klimawandel tun. Die Regierungen subventionieren immer noch alte Industriezweige, die Regierungen unterstützen immer noch die Ölproduktion. Und einer der bezwingendsten Aspekte des Klimawandels in der Frage, wie man die Menschen für dieses Thema interessieren kann, ist meiner Ansicht nach, dass man an ihr ganz persönliches Eigeninteresse appelliert. Es ist doch ganz einfach: Wenn jemand in Frankreich oder Belgien, oder in Deutschland, Heizöl kauft, wenn er Benzin tankt, dann zahlt er dafür Geld ans Ausland. Er zahlt Geld an Venezuela, er zahlt Geld an die Vereinigten Arabischen Emirate, er zahlt Geld an den Iran. Wann immer jemand heimische Energiequellen entwickelt, ob Wasser-, Wind- oder Sonnenenergie oder Erdwärme, dann behält er das Geld in seinem Lande. Und er unterstützt heimische Industrien. Deshalb halte ich das für den besten Weg, um die Leute für den Klimawandel zu interessieren, indem man sagt: “Behalt dein Geld im Lande!” … Unterstütze die heimische Industrie, unterstütze umweltfreundliche Industriezweige… Anderweitig ist es sehr schwierig für die Regierungen, Gesetze zum Kampf gegen den Klimawandel zu machen. Denn anscheinend ist es ein Thema, das uns in den nächsten 40 oder 50 Jahren nicht wirklich beinträchtigt. Warum sollten die Regierungen sich also damit befassen? Wenn man das Thema den Regierungen aber als einen Weg präsentieren kann, mit dem man Jobs schafft und gegen die wirtschaftliche Unsicherheit im eigenen Lande angeht, dann ist das meiner Meinung nach für die Regierungen eine sehr viel motivierendere Art, Gesetze zum Klimaschutz zu machen.” euronews: “Sie persönlich – bemühen Sie sich irgendwie in Ihrem Alltagsleben, etwas gegen den Klimawandel zu tun?” Moby: “Also.. ohne hier groß von meinen Umwelt-Meriten zu reden.. aber ich wüssste nicht, wie ich ein NOCH grüneres Leben führen sollte! Ich fahre nicht Auto, ich nehme die öffentlichen Verkehrsmittel, ich bin Veganer, ich versuche, wann immer möglich, lokale Bio-Produkte zu essen. Ich wohne in einer Wohnung, was viel umweltfreundlicher ist, als in einem Haus zu wohnen. Ich gebe mir alle Mühe, gegenüber der Umwelt so verantwortungsbewusst wie möglich zu sein. Aber die einzige Weise, wie umweltbewusste Handlungen eine irgendwie geartete Wirkung haben können, ist, wenn sie gehäuft auftreten. Wenn ich allein umweltbewusst lebe, dann bedeutet das gar nichts, solange ich der einzige bin. Es ist aber sehr, sehr bedeutend, wenn ich umweltbewusst lebe und hundert Millionen Menschen machen es genauso. Ich werde also nie mit meinen Umwelt-Meriten prahlen, denn ich bin nur eine Einzelperson. Wenn ich aber hundert Millionen Menschen dazu bringen kann, ähnlich zu handeln, dann kann ich sagen, dass ich eine gute Kraft für den Wandel war. Wenn ich auf Tournee gehe, versuche ich, dies auf kohlenstoffneutrale Weise zu tun, das heißt vor allem, die Kohlenstoffemissionen auszugleichen, und zu versuchen, in so umweltverantwortlicher Weise wie möglich die Tournee zu veranstalten. Aber noch einmal: Es wird großartig sein, wenn jeder Musiker auf diesem Planeten sich darauf einlässt, ebenfalls kohlenstoffneutral auf Tournee zu gehen. Der Kohlenstoffausstoß jedes einzelnen Musikers auf dem Planeten ist geringer als 0,001 Prozent der Kohlenstoff-Emissionen von China an einem Tag. Deshalb denke ich, es ist wichtig, auf Dinge wie kohlenstoffneutrale Konzerttourneen zu achten, aber es ist noch wichtiger, auf die Industrie-Emissionen von der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten, China, Indien undsoweiter zu achten. Sie wissen: Wir haben nur so und so viel Zeit, und so und so viel Energie. Ich denke, wir müssen uns wirklich auf die schreiendsten Beispiele von Umweltsünden konzentrieren.” euronews: “Waren Sie überrascht von den heftigen Angriffen auf Präsident Obamas Plan, das Gesundheitswesen und die Sozialversicherung zu reformieren?” Moby: “Nun, diese Angriffe auf Obamas Plan zum Gesundheitswesen, das ist so eine Art surrealistische Farce. Wie ein Schauspiel von Ionesco… eine absurde, dadaistische Farce … denn wissen Sie, ich meine, leider gibt es da eine lange Tradition von Arroganz und Ignoranz und ungleichen Maßnahmen in den Vereinigten Staaten. Aber die Angriffe auf Obamas Gesundheitsreform sind so ignorant … und sie werden von der Gesundheitsindustrie finanziert. Meine Lieblingsgeschichte zu diesen Angriffen in den USA ist diese: Ein Mitglied des Repräsentantenhauses hält eine Bürgerversammlung ab, mit einem Haufen rechter Rentner, und er stellt eine simple Frage: “Wer hier ist gegen eine staatliche Krankenkasse?” Alle heben die Hand hoch. Dann fragt er weiter: “Und wer ist hier bei Medicaid oder Medicare?” Und alle heben die Hand. Medicare und Medicaid sind aber staatliche Krankenkassen. Deshalb bin ich doch sehr erstaunt darüber, WIE heftig Obama und seine Gesundheitsreform angegriffen werden. Worüber ich nicht erstaunt bin, ist, wie ignorant die Amerikaner wieder einmal sind. Die Amerikaner werden mich nie überraschen mit ihrer Fähigkeit, wütend und ignorant zur gleichen Zeit zu sein!” euronews: “Sind die Lobbyisten mit für diese Angriffe verantwortlich?” Moby: “Gut, es gibt da eine Menge spezieller Eigeninteressen, die Lobbyarbeit machen, um ihre Einnahmequellen zu schützen. Deshalb macht die Gesundheitsversorgung in den Vereinigten Staaten jetzt Lobbyarbeit, um die Gesundheitsversorgung so zu bewahren, wie sie ist. Die Versicherungsunternehmen geben hunderte Millionen Dollar aus, um die gegenwärtige Gesundheitsversorgung so zu lassen, wie sie ist, denn sie ist für die Gesundheitsindustrie lukrativ. Das gleiche gilt für den Klimawandel. Die großen Ölfirmen wie BP, Shell, Exxon Mobile – sie sind die größten Unternehmen auf dem Planeten. Und sie geben hunderte Millionen Dollar aus, um die Dinge so zu bewahren, wie sie sind. Leider ist es schrecklich, wie diese Dinge sind. … Der Status Quo im Gesundheitssystem der USA ist ein Desaster, der Status Quo bei der Ölförderung und insgesamt bei der Energiegewinnung ist aus ökologischer Sicht ein Desaster… Aber es ist ein sehr lukratives Desaster für die Konzerne, für die Gesundheitsindustrie in den Vereinigten Staaten wie für die Ölkonzerne im Rest der Welt.”