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Umwelt auf der Agenda

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Umwelt auf der Agenda

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Klimawandel, Treibhausgase, Schadstoffemissionen – die Umwelt ist Europas größte Herausforderung. In allen Staaten macht man sich so seine Gedanken, wie die Probleme am wirksamsten bekämpft werden können. Wir schauen nach Schweden, einem der Vorreiter in Sachen Ökologie. Außerdem blicken wir nach Rumänien. Ein Land im Umbruch – das Biomasse und die Sonne als Energieträger entdeckt. Diese Woche in “Europeans.”

Die Riedels leben in einem Vorort von Stockholm. Gemeinsam mit 39 anderen Familien haben sie bei einer Studie der Stadt mitgemacht. Ziel: Den “ökologischen Fußabdruck” der Einwohner der schwedischen Hauptstadt messen. Am Anfang haben wir drei Monate lang alles notiert, was wir gekauft haben: Essen, Kleidung, Schuhe, wie oft wir das Auto benutzt haben, wohin wir gefahren sind. Zuerst haben wir nur über unser Auto nachdedacht und das, was wir gekauft haben. Dann aber fiel uns auf, dass Essen beispielsweise jede Menge Emissionen verursacht, in Verbindung mit Transport und Verkehr.” Nachdem die Ergebnisse ausgewertet wurden, veröffentlichte die Stadtverwaltung eine Broschüre. Inhalt: Alle Stockholmer sollten sich ihres Umwelt-Verhaltens bewusst werden und dazu beitragen, die Schadstoffemissonen in den kommenden zwei Jahren um zehn Prozent reduzieren. Im Zuge dieses Projekts haben die Riedels ihr Konsumverhalten grundlegend verändert. Sie kaufen Gemüse jetzt saisonabhängig, sie essen weniger Fleisch und fliegen weniger mit dem Flugzeug. Die Stockholmer Kampagne scheint auch bei der jüngeren Generation Früchte zu tragen. Ich glaube, diese Kampagne ist sehr wichtig, denn es geht um die Zukunft meiner Generation. Wer die Umwelt aus der Hand gibt, der hat keinen Respekt vor der Zukunft meiner Generation. In Schweden, aber auch in anderen europäischen Staaten, wird den Menschen offenbar klar, dass sie ihr Verhalten an neue klimatische Bedingungen anpassen müssen. Auch in der EU hat man diese Entwicklungen verstanden und den Kampf gegen die Erderwärmung ganz oben auf die Agenda gesetzt. Bis 2020 sind drei konkrete Schritte geplant: – 20 Prozent mehr erneuerbare Energien – Erhöhung der Energieeffizienz um 20 Prozent – Senkung der Treibhausgase um 20 Prozent im Vergleich zu 1990. Senkung um bis zu 30 Prozent, wenn sich andere Industrieländer den Maßnahmen anschließen 2005 wurde ein Emissionshandelssystem für die Schwerindustrie eingeführt. Dieses betrifft etwa 40 Prozent der Treibhausgase in Europa. Aber nicht die anderen 60 Prozent. Die werden verursacht von Verkehr, Landwirtschaft und Wohnen. Die Zuständigkeit zur Senkung der Treibhausgas-Emissionen liegt weitestgehend bei den einzelnen Ländern. Jedes EU-Mitglied hat eigene Kriterien aufgestellt, und die variieren stark. Schweden will bis 2020 17 Prozent weniger Emissionen und 49 Prozent erneuerbare Energien. In Rumänien sieht das ganz anders aus. Ein Land im Wandel, auch wirtschaftlich. Das Land darf bis 2020 bis zu 19 Prozent MEHR Emissionen verursachen – um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung voranzutreiben. Erneuerbare Energien sollen bis zu 24 Prozent des rumänischen Energie-Mixes ausmachen. Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen sind Ökologie und erneuerbare Energien keine Fremdworte in Rumänien. Das Umweltministerium hat das Programm “Grünes Haus” aufgelegt. Es ist die verbesserte Version des letztjährigen Programms, das alternative Heizungssysteme fördern soll. Wie das ausschaut, ist in Intorsura Buzaului zu sehen – eine Kleinstadt im Norden von Bukarest. Die Behörden arbeiten hier mit der dänischen Energieagentur und der EU zusammen. Sie haben ein Projekt aus der Taufe gehoben mit dem Namen “Sawdust 2000”. Ein Biomasse-Kraftwerk liefert Warmwasser und Heizwärme für über hundert Wohnungen und Bürogebäude. Der Treibstoff kommt aus dem Wald. Ihn liefern Sägespäne aus dem Forstbetrieben der Region. Bislang waren die Späne vor allem ein Großverschmutzer der Umwelt. Sie wurden illegal auf Halden abgelagert, wo sich Methangas bildete. Heute werden die Sägespäne als Treibstoff für das Blockheizkraftwerk genutzt. Wir reduzieren damit die CO2-Ausstoß um 10.000 Tonnen im Jahr. Schadstoff wird zu Treibstoff. Victoria ist Rentnerin und besitzt eine kleine Wohnung in einem Haus, das an das Biomasse-Heizsystem angeschlossen ist. Das bisherige Heizsystem war veraltet. Es brach dauernd zusammen. Wir mussten mit Holz heizen oder mit anderen Brennstoffen. Wir hatten kein warmes Wasser. Jetzt haben wir immer warmes Wasser, es ist ausreichend warm. Und das Beste ist: Es ist viel billiger und umweltfreundlich. Rumänien ist sonnenverwöhnt. 30 Prozent mehr Sonnenlicht hat das Land im Vergleich zu Nordeuropa. Was Wunder, dass man sehr stark an Solarenergie interessiert ist. Schon unter der Herrschaft der Kommunisten wurden Sonnenkollektoren auf Hausdächern installiert. Doch die wurden schnell baufällig und dann stillgelegt. Liviu Olteanu will die Solarenergie wieder zurück auf Rumäniens Dächer holen. Angesichts steigender Energiekosten wird die Sonnenenergie immer attraktiver. Solarenergie ist aber nicht nur aus ökologischer sondern auch aus ökonomischer Sicht interessant. Liviu hat auf den Dächern dieses orthodoxen Klosters in Ploiesti in der Mitte Rumäniens Solaranlagen installiert. Für die Mönche beinahe sündhaft günstig: Sie zahlen zehnmal weniger für die ihre Energie als beim nationalen Stromkonzern. Das System hat gezeigt, dass es für die Region bestens geeignet ist. Wir sind hier weit weg von den Stromnetzen. Es gibt immer noch tausende Gehöfte und kleine Dörfer, die keine Elektrizität haben. Da kommt die Solarenergie gerade recht, um mit dafür zu sorgen, dass ganz Rumänien mit Strom versorgt wird. In Rumänien wird der Bevölkerung aber erst nach und nach bewusst, dass sich etwas ändern muss. Zurück nach Schweden: Anders Hill ist Ingenieur bei einem Energieversorger. Seit rund 15 Jahren baut die Firma eine Netzwerk von ganz besonderen Klimaanlagen auf. Wir nutzen kaltes Wasser aus dem Meer. Da das Wasser auch im Sommer ausreichen kühl ist, können wir es nutzen, um einen Bereich zu kühlen. Man braucht keine Kühlmaschinen oder andere Kühlanlagen, die Strom verbrauchen – und auch keine Kühlmittel, die auslaufen könnten. Das Wasser-Kühlsystem kommt mittlerweile in vielen Bürogebäuden in Stockholm zum Einsatz. Die Vorteile: Ein solches System ist nur bei der Anschaffung und der Installation etwas teurer. Die Betriebskosten hingegen sind viel niedriger – und besser für die Umwelt ist es natürlich auch. In Schweden glaubt man, keine Probleme mit den von der EU gesteckten Umweltvorgaben zu haben. Schweden Klimapolitik fußt nicht nur auf der 17-prozentigen Senkung der Emission, die wir bereits unternommen haben. Wir werden bis 2020 unsere Emissionen um 40 Prozent reduzieren. Schweden wird die EU-Ratspräsidentschaft während der nächsten internationalen Klimakonferenz in Kopenhagen im Dezember 2009 innehaben – und die EU durch die Verhandlungen führen. Europa will ein ehrgeiziges Abkommen durchsetzen: Alle entwickelten Länder sollen ihre Schadstoffausstöße drastisch reduzieren – um bis zu 30 Prozent.