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Hoffnung für Kinder mit primären Immundefekten

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Hoffnung für Kinder mit primären Immundefekten

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In diesem Krankenhaus haben es die Kinder besonders schwer. Auf dieser Station im Great Ormond Street Hospital in London sind die Türen dicht verschlossen. Alles muss völlig steril sein, weil viele Kinder hier schwerwiegende genetische Defekte im Immunsystem haben – Primäre Immundefekte (PID) genannt. Kinder mit PID haben ohne Knochenmark-Transplantation keine überlebenschance. Fünfzig solcher Transplantationen werden jedes Jahr durchgeführt. Bis jetzt musste das eigene Knochenmark der Patienten zuvor durch Chemotherapie ausser Kraft gesetzt werden.

Die Ärzte hier haben eine neue Form der Antikörper-Behandlung entdeckt. Den PID-Patienten können jetzt vor der Transplantation Antikörper gegeben werden anstelle der Standard-Chemotherapie. Die neue Technik nutzt Antikörper, die das Knochenmark des Patienten erkennen und abtöten, um Platz für die Spender-Zellen zu schaffen. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist die neue Methode effizienter und hat weniger Nebenwirkungen als herkömmliche Chemotherapie, die Organ schädigen und unfruchtbar machen können. DR PERSIS AMROLIA: “Bei diesem Antikörper-Verfahren sind bisher keinem die Haare ausgefallen. Niemand fühlte sich schlecht und Leber, Lunge und Darm erlitten nur minimale Schäden. Wir hoffen, dass das auch weniger Spätfolgen bedeutet, so dass diese Kinder normal aufwachsen können, eine normale Pubertät erleben und später Kinder bekommen können. Das alles kann nach einer konventionellen Knochenmarktransplantation ein Problem sein.” Bei der neuen Technik richten sich Antikörper gegen ein spezifisches Molekül der Knochenmark-Zellen, lassen aber alle anderen Gewebe in Ruhe. Bisher haben 13 von 16 Patienten einer Versuchsreihe überlebt und wurden geheilt. Jetzt wollen die Ärzte dieselbe Technik weiterentwickeln für Kinder mit anderen schweren Krankheiten wie etwa Leukämie.