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Samoa steigt um auf links

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Samoa steigt um auf links

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Die Autofahrer auf den Samoa-Inseln müssen sich umgewöhnen: Es heißt Abschied nehmen von der rechten Straßenseite – seit heute abend wird links gefahren.

Seit den Siebzigern hat es so eine Umstellung nirgendwo mehr gegeben; in Europa zuletzt Ende der Sechziger, mit dem Wechsel nach rechts in Schweden und in Island. Der bisherige Rechtsverkehr auf Samoa ist ein Erbe der kurzen deutschen Kolonialzeit vor hundert Jahren. Viele andere Länder im Pazifikraum sind aufgrund ihrer Kolonialzeit aber britisch geprägt und haben demzufolge Linksverkehr. Vom richtigen Moment für die Umstellung spricht Regierungschef Tuilaepa Sailele Malielegaoi. Und er setzt zur Beruigung der Samoaner hinzu: Er selbst sei schon mitten in London gefahren, in dem ganzen Getümmel: Nach drei Minuten sei ihm klar gewesen, wie man dort fahren müsse. So leicht nehmen das aber die meisten Samoaner nicht: Auch wenn die Regierung auf andere, sozusagen die Nachbar-Länder wie Australien oder Neuseeland verweist, aus denen die vielen Exilsamoaner nun einfacher und billiger Autos mit Rechtslenkung einführen könnten. Für die zahlreichen Gegner überwiegen die Ängste. “Es gibt für den Wechsel keine logische, zusammenhängende Erklärung”, meint Paplil Viopapa-Annadale, ihre Sprecherin. “Und die wirtschaftlichen Gründe können doch wohl nicht schwerer wiegen als die Gefahr für menschliches Leben!” Zu den Gegnern gehören auch die Busfirmen: Die Türen ihrer Busse öffnen nach rechts, das heißt teure Neuanschaffungen – oder zumindest Umbauten. Für alle anderen hat die Regierung aber vorgesorgt: Zwei Feiertage sollen für leere Straßen und für entspanntes Gewöhnen an die neuen Verhältnisse sorgen.