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Afghanistan-Wahl: Zweifel an Karsais absoluter Mehrheit

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Afghanistan-Wahl: Zweifel an Karsais absoluter Mehrheit

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Bei der Präsidentenwahl in Afghanistan kommt Amtsinhaber Hamid Karsai auf eine absolute Mehrheit. Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen liegt Karsai fast drei Wochen nach dem Wahlgang bei knapp 54 Prozent. Aber ging es dabei mit rechten Dingen zu ?

Selbst Herausforderer Abdullah Abdullah – er kommt laut Auszählung auf gut 28 Prozent – hat offen eingestanden, bei Stammesführern pauschal um die Stimmen ihrer Clanmitglieder geworben zu haben. Die Unabhängige Beschwerdekommission hat Hinweise auf Wahlbetrug. Der Vorsitzende Grant Kippen: “Wir halten unsere Vermutungen für begründet und deshalb haben wir die afghanische Wahlkommission gebeten oder besser gesagt angewiesen, diese Fälle zu überprüfen und nachzuzählen.” Die “New York Times” hatte berichtet, Anhänger Karsais hätten bis zu 800 fiktive Wahllokale eingerichtet. Die seien zwar nie geöffnet worden, hätten aber Hunderttausende Stimmen für die Wiederwahl des Präsidenten gemeldet. Für das Weisse Haus steht nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft auf dem Spiel, die die afghanische Wahl mitgetragen und mit überwacht hat. Steve Coll vom Thinktank New America Foundation: “Die Regierung Obama agiert in Afghanistan ja nicht nur militärisch, sondern auch politisch. Und jetzt ist diese politische Strategie an einen Kandidaten gefesselt, über dem selbst im besten Fall eine unheilvolle Wolke hängt.” Karsai war nach der Nato-Invasion gegen die Taliban im Jahr 2001 ins Amt gekommen.