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Ein Jahr nach der Lehman-Insolvenz

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Ein Jahr nach der Lehman-Insolvenz

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Der Konkurs von Lehman-Brothers – das war vor genau einem Jahr. Die Angestellten konnten es kaum glauben: Nach fast 160 Jahren war Schluss mit der weltbekannten Investment-Bank. Lange Verhandlungen waren vorausgegangen, doch die Regierung entschied letztlich, die Bank nicht aufzufangen. Lawrence McDonald, der damalige Vizepräsident der Bank erinnert sich: Das sei ein Tag gewesen, der das Schicksal der Welt änderte. “Ich war völlig am Boden zerstört! Ich telefonierte den ganzen Tag – und alle, mit denen ich sprach waren fix und fertig. Man konnte einen Riesen weinen sehen!”

Der Sturz ist tief und der Kater heftig: In den folgenden Tagen und Wochen nimmt die Regierung das Heft wieder in die Hand, indem sie den Versicherungsriesen AIG und die Geschäftsbank Meryll Lynch verstaatlicht. Milliarden werden ins Finanzwesen gepumpt – aber: Ende September lehnt der Kongress den 700-Milliarden-Dollar-Rettungsplan der Regierung ab. In der Folge erlebt die Wall Street ihren tiefsten Sturz seit dem 11. September: Der Dow Jones verliert 777 Punkte. Einige Tage später stimmt der Kongress einem überarbeiteten Plan zu. Eine Finanzspritze folgt der nächsten und die US-Regierung versucht den Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen – der am Anfang der Krise stand. Plötzlich scheint Konsens zu herrschen: weltweit müsse das Finanzwesen stärker reguliert werden, die Bezahlung der Trader solle kontrolliert werden und die Banken sollen künftig davon abgehalten werden, zu hohe Risiken einzugehen. Doch mit der wirtschaftlichen Erholung beginnt die Überzeugung zu bröckeln, so der Finanzexperte Richard Bookstaber: “Wir wissen zum Beispiel, dass Goldman sein Sicherheitsrisiko wieder erhöht hat. Das ist ein schlechtes Zeichen, weil andere das Gefühl haben können, dass sie dem folgen müssen.” Ein Jahr nach dem symbolträchtigsten Tag der Finanzkrise ist es bisher nicht gelungen, den Finanzmärkten effektive Zügel anzulegen. Die Frage bleibt aktuell.