Eilmeldung

Eilmeldung

Norwegisches Erdöl – Fluch oder Segen?

Sie lesen gerade:

Norwegisches Erdöl – Fluch oder Segen?

Schriftgrösse Aa Aa

Vor den Küsten des Landes sprudelt das Erdöl – aber ob das ein Segen ist, oder ein Fluch, da sind sich nicht alle Norweger sicher. Über die Frage, was genau mit den riesigen Einkünfte aus der Ölförderung getan werden soll, stolpert eine Regierung nach der anderen: In den vergangenen 15 Jahren ist kein Ministerpräsident im Amt bestätigt worden.

Das scheint paradox, denn erst seit dieser Zeit kommt das Geld Norwegen wirklich zu Gute. Zuvor bezahlte das Land Kredite zurück, die es nach dem ersten Ölfund Ende der 60er-Jahre aufgenommen hatte, um die Förderindustrie aufzubauen. Aber schnell wurde klar, dass die Ölquellen nicht unerschöpflich sind. Um das kostspielige Sozialsystem dauerhaft zu sichern, kam die Idee auf, das Geld in einem speziellen Fond anzulegen. Mittlerweile ist der Pensionsfond mit umgerechnet knapp 300 Milliarden Euro Vermögen zum zweitgrößten Staatsfond der Welt angewachsen. Nur 4 Prozent davon darf die jeweilige Regierung eigentlich ausgeben, um Defizite auszugleichen. Doch wegen der Finanzkrise griff die bisherige Regierung schon tiefer in die Schatztruhe als vorgesehen. Und die rechtspopulistische Fortschrittspartei will die Einschränkung völlig abschaffen. Siv Jensen, Vorsitzende und Spitzenkandidatin der Fortschrittspartei sagt, sie habe ich gehört, Norwegen sei ein armes Land. “Aber wir legen jedes Jahr ein Vermögen zurück! Das heißt: wir müssen darüber reden, wie das Geld den Menschen zugute kommen kann – den eigentlich gehört das Geld dem Volk!” Der sozialdemokratische Regierungschef Jens Stoltenberg sieht das anders – und bezichtigt seine Herausforderung falscher Versprechen: “Sie tun so, als ob sie vor hätten, mit den Öl-Einkünften den norwegischen Sozialstaat aufzupolieren. Aber es geht hier um Geld, mit dem Sie eine Steuersenkung finanzieren wollen! Das hat nichts mit neuen Krankenhäusern oder mit neuen Straßen zu tun!” Trotz geringer Arbeitslosenzahlen, so niedrig wie in kaum einem anderen Land Europas und obwohl Norwegen nur ein kurze Rezession erlebt hat, häufen sich die Probleme: Immer länger müssen die Menschen auf Operationen warten, das Straßennetz wird marode – in einem Land, das auf riesigen Reserven sitzt, haben immer weniger Wählern dafür Verständnis.