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EU-Mission: 1,5 Millionen Stimmen gefälscht

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EU-Mission: 1,5 Millionen Stimmen gefälscht

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Bei der Präsidentschaftswahl in Afghanistan sind nach Angaben der EU-Wahlbeobachter mehr als ein Viertel der Stimmen gefälscht oder zumindest verdächtig. Betroffen seien 1,5 Millionen der bislang veröffentlichten 5,5 Millionen Stimmen, sagte die stellvertretende Missionschefin Dimitra Ioannou in Kabul. Knapp vier Wochen nach der Abstimmung wollte die umstrittene Wahlkommission noch am Mittwochabend trotz der Betrugsvorwürfe ein vorläufiges Endergebnis verkünden. Die EU-Mission forderte indes dazu auf, vor der Prüfung aller Betrugsvorwürfe kein Ergebnis zu veröffentlichen, weil ein Sieg in dem Fall nicht glaubwürdig sei. Es sei aber Aufgabe der Afghanen und nicht der Ausländer, die Legitimität der Wahl zu beurteilen. Der ehemalige Außenminister Afghanistans und Herausforderer des amtierenden Präsidenten Hamid Karsai, Abdullah Abdullah, wirft dem Präsidentenlager massive Wahlfälschung vor. Die von den Vereinten Nationen unterstützte Beschwerdekommission hatte gestern angeordnet, die Stimmen in fast jedem zehnten Wahllokal müssten neu ausgezählt und überprüft werden. Ihr liegen mehr als 2000 Beschwerden vor. Die internationale Gemeinschaft befürchtet angesichts des Machtvakuums am Hindukusch ein Erstarken der islamistischen Taliban. Die USA wollen mehr Soldaten entsenden, in der EU werden Rufe nach einer Neuausrichtung der Afghanistanhilfe laut.