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Mehr als 30 Müllschiffe im Mittelmeer?

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Mehr als 30 Müllschiffe im Mittelmeer?

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In Italien schlägt die Affäre um ein Schiffswrack voller Gift- und vielleicht auch Atommüll weiter Wellen. Der rund 100-Meter lange Frachter voller Metallfässer mit teils radioaktivem Inhalt, der Ende vergangener Woche vor der kalabrischen Mittelmeerküste entdeckt worden war, könnte nur einer von vielen sein.

Die Staatsanwaltschaft in Paola, unweit des Küstenortes Cetraro, geht mittlerweile davon aus, dass die kalabrische Mafia N’Drangheta im Laufe der vergangenen Jahre über 30 Schiffe, voll beladen mit Giftmüll, im Mittelmeer versenkt hat. Ein Mafia-Aussteiger hatte den Ermittlern den entscheidenden Hinweis zum Fund des ersten Müllschiffs gegeben; später bestätigten Unterwasser-Aufnahmen, was Umweltschützer der Region schon seit Jahren sagen: seit Beginn der 90er-Jahren lässt sich die örtliche Mafia teuer für die Entsorgung von Giftmüll bezahlen – den sie dann im Meer versenkt. Der Umweltbeauftragte der Region, Silvestro Greco, dankt sogar, dass die jetzigen Erkenntnisse erst ein Beginn sind: “Das Mittelmeer macht nicht einmal 1 Prozent der Wasseroberfläche des Planeten aus. Wenn es hier bereits 30 Wracks gibt – kaum auszumalen, wie viel es weltweit sind! Zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse beschäftigen sich bereits mit dem Thema: der für Umweltfragen und derjenige, der mit Mafia-Verbrechen befasst ist. Ein Arzt aus der betroffenen Region berichtete zudem von einer “signifikanten Erhöhung der Sterblichkeitsrate”: Schon seit Anfang der 90er-Jahre seien in der Gegend verstärkt Krebserkrankungen aufgetreten. Doch die Nachforschungen sind gefährlich – nicht nur wegen des Giftmülls: 1995 kam ein Kapitän der Küstenwache während seiner Ermittlungen in Sachen illegaler Müllentsorgung auf See ums Leben – unter bisher ungeklärten Umständen.