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Lieferboykott auch bei Schweizer Milchbauern

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Lieferboykott auch bei Schweizer Milchbauern

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In der Schweiz braucht es keine EU-Milchquoten, die Bauern streiken trotzdem. Gut 400 Erzeuger verkaufen seit dem Wochenende nicht mehr an die großen Ketten, sondern direkt an die Verbraucher.

“Jetzt, wo die Krise da ist, versuche ich, so viel wie möglich zu verkaufen, solange wir streiken. Die Verbraucher, die daran Interesse haben, können immer herkommen”, erklärt Milchbauer Jean Thuler aus der Westschweiz. Knapp zwei Franken kann er so pro Flasche direkt einnehmen, nicht die großen Handelsketten profitieren von der Gewinnspanne. Denn das ist eins der Grundübel, in der Schweiz wie anderswo in Europa: Die Erzeuger bekommen nur einen Bruchteil des Endpreises, und das decke ihre Kosten nicht mehr, klagen sie. Die jüngst vom Schweizer Branchenverband empfohlene Preissteigerung reicht ihnen nicht, die so genannte Bäuerliche Interessengruppe für Marktkampf, kurz BIG-M, macht für mehr Preisausgleich gegenüber den Handelsketten mobil. Viele Bauern fühlen sich allein gelassen: “Es ist wirklich frustrierend, abscheulich. Ich finde, wir werden nicht genug unterstützt, und wir sind doch schließlich eine Branche, die die Basis eines Landes ist, die etwas Wertvolles ist. Und den Leuten ist das, glaube ich, gar nicht mal richtig bewusst, vor allem den jungen Leuten nicht…” Anders als ihre EU-Kollegen haben die Schweizer die Milchquote bereits abgeschafft. Und hier wie anderorts in Europa sieht mancher in gezielter Mengensteuerung Abhilfe gegen Preissturz.