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Streifzug durch die deutsche Farbenlehre

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Streifzug durch die deutsche Farbenlehre

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Man könnte den Eindruck bekommen, dass Politik in Deutschland inzwischen vor allem mit dem Tuschkasten gemacht wird – Schwarz-Gelb, Rot-Rot-Grün, Ampel oder Jamaika, oft scheint es nur noch darum zu gehen, welche Farben die künftige Bundesregierung haben wird.

Thomas Fischer von der Bertelsmann-Stiftung kennt sich aus mit der Farbpalette; zunächst malt er in Schwarz und Gelb: “Man muss unterscheiden zwischen den kleinen Parteien in Deutschland”, sagt er. “Es sind vor allem wahrscheinlich die Liberalen, die Freien Demokraten in Deutschland, die eine herausragende Rolle spielen werden. Alle Wahlprognosen sagen, dass es eine knappe Mehrheit für eine Koalition zwischen Christdemokraten und Liberalen geben wird, die die Große Koalition ablösen.” Seit einigen Jahren geht es in der deutschen Politik auch gerne karibisch zu: Jamaika heißt das, wenn nämlich – wie in der jamaikanischen Flagge – zu Schwarz und Gelb auch noch Grün hinzukommt; was Fischer aber weitgehend aussschließt: “Wir hatten letzte Woche einen Parteitag der Grünen, auf dem die Grünen beschlossen, dass es eines nicht geben wird, nämlich die so genannte Jamaika-Koalition: Das heißt, ein Bündnis mit Christdemokraten und Liberalen. Der Punkt, an dem sich die Grünen aber stören, sind die Liberalen. Was sie nicht ausgeschlossen haben, ist ein Bündnis zwischen Christdemokraten alleine und ihnen.” Aber da gibt es ja auch noch die Gegenseite – allerdings vertragen sich Rot und Dunkelrot nun überhaupt nicht – und es wird auch nicht viel besser mit einem Strich Grün: “Selbst wenn es die rechnerischen Mehrheiten nach der Bundestagswahl hergeben würden”, sagt Fischer, “würde es dieses Bündnis zwischen Sozialdemokraten, Die Linke und den Grünen zunächst nicht geben als Mehrheitskoalition. Was passieren könnte, ist, dass eine neue Große Koalition antritt und die SPD nach der Hälfte der Legislaturperiode die Lager wechselt und sich dann eine Koalition Rot-Rot-Grün formiert. Das ist möglich, würde aber voraussetzen, dass die alten Führungsfiguren in der SPD ausgelöst werden und der linke Flügel an die Spitze der Partei tritt.” Wenn es aber für Rot-Grün nicht reicht – könnte man da nicht noch etwas liberales Gelb hineinmischen? – Oder müsste man sogar? “Ein anderer Punkt ist natürlich”, so Fischer noch einmal, “dass man rein rechnerisch, um sozialdemokratisch und liberal zusammenzudenken, dann die Grünen dazunehmen müsste. In Deutschland nennt man das eine Ampelkoalition, Rot-Gelb-Grün. Da würden aber doch reichlich zwischen den kleineren Koalitionspartnern, nämlich zwischen den Grünen und den Freien Demokraten, also den Liberalen, auftreten.”