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Wahl und Wirtschaft in Portugal

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Wahl und Wirtschaft in Portugal

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Eines der Hauptthemen der Wahl in Portugal ist die Wirtschaft. Zuerst schien der Abschwung nur das Nachbarland Spanien zu treffen, doch nun sind die Folgen in dem südeuropäischen Land auch nicht mehr zu übersehen, obwohl das Land keine Immobilienkrise durchmacht und seine Banken auch nicht ernsthaft in Schwierigkeiten stecken. In den vergangenen 30 Jahren hat sich trotzdem viel geändert: In der Landwirtschaft, einst der wichtigste Sektor, arbeiten heute nur noch elf Prozent der Bevölkerung. Die Industrie beschäftigt jeden dritten Portugiesen und steuert rund 33 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt zu. Im Dienstleistungssektor ist fast die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung angestellt. Mit einem durchschnittlichen Jahresgehalt von 15.000 Euro pro Jahr liegt Portugal innerhalb der 27 Mitgliedsstaaten auf dem 18. Rang. Nur die neuen Mitgliedsstaaten haben noch schlechtere Löhne. Aber was die Lebensqualität betrifft, liegt Portugal weit vorn und belegt im weltweiten Vergleich den 19.Platz. Der Tourismus war schon immer eine wichtige Einnahmequelle für die einheimische Wirtschaft. Doch mit der Rezession litt auch dieser Sektor. Am schlimmsten ist die Algarve betroffen. In dieser Region gingen bereits viele Arbeitsplätze verloren. Aber die Arbeitslosigkeit betrifft alle Bereiche. Nirgendwo in Europa mussten so viele Betriebe schließen wie in Portugal – ein Viertel aller Firmen, die erst im vergangenen Jahr gegründet wurden, mussten inzwischen wieder geschlossen werden. Als Resultat stiegen die Arbeitslosenzahlen auf über neun Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres. Die EU-Kommission erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt um 3,7 Prozent schrumpfen wird, während das Haushaltsdefizit auf 5,9 Prozent steigt. Das hat eine Kettenreaktion zur Folge. Die Nachfrage für Waren und Dienstleistungen geht zurück. Der Export ebenfalls. Investitionen fielen um 14 Prozent. Aber auch in den Geschäften geben die Menschen weniger Geld aus. Die künftige Regierung steht somit vor schwierigen Aufgaben. Experten sprechen von einer sozialen Krise, die sich in dem westeuropäischen Land entfaltet und kaum aufzuhalten ist.