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Der Absturz der Sozialdemokraten

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Der Absturz der Sozialdemokraten

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1998: Die SPD ist ganz oben, Gerhard Schröder ist deutscher Bundeskanzler. Sechzehn Jahre unter Helmut Kohl und der CDU sind zu Ende, eine neue Generation beherrscht von nun an die deutsche Politik.

Elf Jahre später aber erlebt die SPD ein Debakel von historischem Ausmaß. Der Spitzenkandidat und der Parteivorsitzende müssen am Wahlabend eine bittere Niederlage eingestehen. Frank-Walter Steinmeier hat es nicht vermocht, im Wahlkampf genügend Stimmen für die Sozialdemokraten zu mobilisieren: mehr als sechs Millionen SPD-Wähler sind dieses Mal zu anderen Parteien gewechselt oder zuhause geblieben. Der Abstieg der SPD in der Wählergunst vollzog sich in großen Schritten, von 1998 an – mit gut vierzig Prozent – bis zum jetzigen Tiefpunkt von dreiundzwanzig Prozent: Von der einstigen Volkspartei kann kaum noch die Rede sein. Schon bei der letzten Wahl vor vier Jahren verloren die Sozialdemokraten die Macht. Für die schon damals ersehnte Koalition der CDU mit den Liberalen reichte es aber damals entgegen den Vorhersagen dann doch nicht: Nur dadurch hielt sich die SPD noch in der Regierung, als kleiner Partner der CDU in der Großen Koalition und mit einem Außenminister und später auch Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier – geholfen hat es den Sozialdemokraten nicht. Schon längst war die Partei in der Krise, zerrissen zwischen Tradition und Modernisierung. Mit der Eintracht an der Parteispitze war nach 1998 schon bald Schluss: Parteichef und Finanzminister Oskar Lafontaine legte 1999 alle Ämter nieder, stichelte dann nur noch gegen Schröder und seine Politik und verabschiedete sich einige Jahre später ganz aus der Partei. Seine neue Heimat wurde 2005 die WASG, die Neugründung, in der sich im Westen Deutschlands Gegner von Schröders Hartz-Reformen zusammentaten. Lafontaine führte sie schrittweise zusammen mit der PDS im Osten – 2007 war die nunmehr gesamtdeutsche Linkspartei geboren. Sie zog der SPD jetzt die Wähler ab: eine Million waren es alleine bei dieser Bundestagswahl. Im Osten Deutschlands ist nun oft die Linke die neue Volkspartei: In zwei Ländern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, war sie diesmal sogar die stärkste Kraft. Die SPD sitzt nun in der Klemme: bedrängt auf der einen Seite durch die Linke, auf der anderen durch die CDU – von FDP und Grünen ganz zu schweigen. Vier Jahre hat sie nun aber Zeit in der Opposition, um aus dieser Klemme einen Ausweg zu finden.